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3. Fastensonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 8. März 2026

3. Fastensonntag im Jahreskreis A, Pfungen 8. März 2026

Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken (Ex 17.6)

Liebe Mitchristen,

Die Schweiz ist gesegnet mit einer guten Trinkwasserqualität. Dies wird einem bewusst, wenn viele in die Ferien fahren. Denn das Wasser in vielen Ländern der Welt ist eine Mangelware und viele Teile der Erde noch nicht zugänglich zu den Menschen. Kinder und Frauen gehen Kilometer weit, um ans Wasser zu kommen. In solchen Flüssen werden nicht nur Kleider und allerlei Sachen gewaschen oder geduscht, sondern auch das Trinkwasser daraus geschöpft. Andere graben auf dem blanken Boden und sammeln das Regenwasser, welches am Boden geflossen ist. Natürlich senkt sich der Dreck nach unten und der obere Teil scheint sauber zu sein, doch ist es voller Bakterien. Wieder andere streiten mit einem anderen Dorf über eine Wasserquelle.

In Nigeria gibt es die sogenannten «Pure Water». Das ist das Regenwasser, welches in einem Auffangbecken gesammelt wird, dann in Plastiktüten umgefüllt und an die Menschen verkauft wird. Andere fahren mit Tanker an die Flüsse, holen Wasser daraus und liefern es den Menschen. Für die Umwelt ist dies eine Katastrophe, denn diese Tüten werden überall einfach weggeworfen und es dauert viele Jahre, bis sie kompostieren können. Heutzutage graben manche einen Brunnen und verkaufen das Wasser dann an die Menschen. So kann man verstehen, warum manche Menschen die im Ausland sind, das eine oder andere Wasserprojekt initiiert haben, um die armen Menschen vom Durst zu befreien.

In unserer ersten Lesung heute wird berichtet, wie das Volk Isreal Durst und Hunger hat und ihre Reaktion darauf. Angesichts von Durst und Hunger waren sie ausser sich und sogar bereit, Mose umzubringen. Wie schnell vergasen sie, wie Gott ihnen in der Vergangenheit in jeder Not geholfen hat. Wie schnell vergasen sie den Auszug aus Ägypten. Wie schnell haben sie vergessen, wie Gott sie mit Manna versorgt hat und durch das Rote Meer heraus geführt hat. Offenbar sind Hunger und Durst eine grosse Probe für den Menschen, dass sie bereit sind, über Leichen zu gehen und Mose, ihren Anführer, umzubringen! Es erstaunt uns nicht, wie der Mensch im Grunde angesichts mancher Herausforderungen reagiert. Das sind Wüstenerfahrungen pur! Für undankbare Menschen ist jede Hilfe und Unterstützung in der Vergangenheit wie Wasser, welches man auf einen Stein giesst! Die Menschen vergessen sehr schnell alles Gute, welches sie von jemandem erfahren haben und erzählen, was sie schlechtes erlebt haben. So erweist sich das Volk Israel gegenüber Gott als ein Volk, welches das Gute und die Liebe Gottes an sie, schnell hinter sich lassen. Massa und Meribar Probe und Streit heisst der Ort, wo sich das Volk Israel gegen Mose und Gott aufgelehnt hat. Wenn wir diesen Text weiterlesen, so war es auch der Ort, an dem Mose gegen Gott gehandelt hat, vielleicht aus Verzweiflung, anstatt einmal auf den Felsen zu schlagen, schlug er 3-mal!

Bewundernswert ist die Reaktion Gottes gegenüber einem undankbaren Volk, das jedoch von Hunger und Durst getrieben wird. Wie eine Mutter ignoriert er diese Handlung des Volkes Isreal und instruiert jedoch Mose, ihnen Wasser zum Trinken zu geben. Viele würden von Gott erwarten, dass er dieses undankbare Volk dafür bestraft, stattdessen zeigt er Nachsicht. Diese Fastenzeit schenkt uns immer wieder die Gelegenheit, umzukehren und sich mit ihm und den Menschen zu versöhnen. Dort wo wir Menschen Gerechtigkeit und harte Strafe von Gott erwarten, zeigt er uns eher Liebe und ignoriert unsere Verfehlungen.

Ein weiterer Aspekt der Erzählung heute ist die Tatsache, dass Gott offenbar seine Ohren offen hat für das Murren und die Klage der Menschen. Angesichts von Hunger und Durst ist der Mensch unberechenbar und seine Wortwahl, um seine Situation auszudrücken ist alles andere als zimperlich. Manchmal bedarf es einer Reifung, um aus der Anklage und dem Protest das Anliegen herauszuhören. Auch in dieser Fastenzeit und durch diese Lesung wird es uns deutlich, dass es viele Formen des Gebetes gibt und viele Wege, um unsere Anliegen zu Gott zu bringen. Manche tun es im sanften, stillen Gebet, andere in langen Formulierungen, fast eine Art Aufforderung und heute durch Protest und Klage. Alle diese Arten gelangen zu den Ohren Gottes und er lässt uns nicht im Stich. Er lässt uns nicht verdursten und verhungern, sondern sendet eine rettende Hand wie Mose. Seine Rettung mag nicht sein wie wir uns das vorstellen, jedoch hört er auf den Schrei seines Volkes. Beten wir, dass er unseren Hunger nach ihm stillen möge und dass wir auch den Durst mit seinem lebendigen Wasser aus seinen Quellen stillen können… Amen.

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