29. Sonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 18. Oktober 2026

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29.Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen, 18. Oktober 2026

So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört (Mt 22, 21).

Liebe Mitchristen,

neuerlich schrieb mir ein Mann, der zu einer bestimmten politischen Partei hier in der Schweiz gehört. Er hat oft gehört, dass seine Parteihaltung nicht vereinbart sein kann mit der katholischen Lehre, dabei zitiert er einige solche Sätze von Bischöfen und einigen Führenden Persönlichkeiten der Kirche in der Schweiz. Er gerät mit sich in Konflikt, ob er als echter Gläubiger der katholischen Kirche angehören kann und gleichzeitig mit der Haltung seiner Parteigesinnung in Einklang sein kann. Ich lud ihn zum Gespräch ein, jedoch nahm er diese meine Einladung nicht mehr wahr. Offensichtlich hat er selber eine Lösung zu diesem Konflikt gefunden.

Im Matthäus Evangelium geriet Jesus mit dieser Fangfrage in Konflikt, entweder mit den Zeloten, welche die Steuer für den Kaiser ablehnen oder mit den Anhängern des Herodes, welche die Steuer für den Kaiser annehmen. Und sich somit, zwar zähneknirschend, doch mit der Herrschaft des Kaisers arrangiert haben. Für die Juden würde eine Ablehnung der Steuer die Autorität des Staates in Frage stellen und seine Annahme stellt Gott als Schöpfer in Frage. Diese ausgeklügelte Intrige hat es in sich, denn die Pharisäer rechnen schon mit einer Niederlage Jesus, aber auch mit dem Zwang, bei der Beantwortung der Frage sich auf eine Seite zu stellen.

Jesus hat die Frage nach der Erlaubtheit unbeantwortet gelassen und den Fokus auf die Besitzverhältnisse gerichtet. Es handelt sich auch um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Politik und Religion. Oder um die Verhältnisse zwischen religiöse Gebote und die staatlichen Spielregeln. Wie lässt sich ein Leben im Einklang mit Gottes Willen mit den Vorschriften des Gesetzes vereinbaren? Auch mit der Frage nach dem Bild (Ikone) und der Aufschrift auf dem römischen Denar erinnert Jesus alle schmerzlich daran, dass die Münze selbst ein Skandal für die Juden ist. Sie trägt das Bild eines Kaisers, der sich selber als Gott betrachtet! Dies ist gegen das Bildverbot „Du sollst dir kein Kultbild machen, keine Gestalt von irgendetwas vom Himmel droben, auf der Erde unten, oder im Wasser unter der Erde“ (vgl. Deut 5,8). Die Antwort Jesus scheint wegweisend für eine relative Unabhängigkeit beider Bereiche zu verstehen. So wird es meistens verstanden.

Tatsächlich ist eine Trennung von beiden Bereichen schwierig. Während Jesus die Frage stellt, wem die Kaisermünze gehört, nämlich dem Kaiser, bleibt die Frage nach dem, was Gott gehört, unbeantwortet. Im Psalm 24,1, bekommen wir eine Antwort auf die Frage, was Gott gehört. Dort heisst es: „Dem Herren gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner“. Jesus entzieht sich dem Dilemma und lässt sich weder als Anführer gegen die römische Ordnung noch als ein blosser Ja-Sager zu dem herrschenden Verhältnis darstellen. Wenn man aber die Antwort Jesu gut verstanden hat, dann verbirgt sich hinter der Antwort Jesu auch das Bekenntnis, dass jede menschliche, politische, militärische, aber auch finanzielle Macht vergänglich und begrenzt ist. Gott ist Herrscher über alles, selbst über den Kaiser, denn nur er schenkt das Leben und kann es zurücknehmen. Gott gehört nicht nur ein Metallstück wie die Münze, sondern ihm gehört der ganze Erdkreis. Als Christen sind wir geboten, unsere staatliche Pflicht, wie die Steuern, zu zahlen, jedoch sollen wir nicht vergessen, wem das Leben an sich gehört.

Auch ist Vorsicht geboten dort, wo politischer Slogan den Glauben an Gott in Frage stellt. Auch ist Vorsicht geboten, wenn Politiker sich religiöser Slogans und Sprache bedienen, um an der Macht zu bleiben. Mit Jesus darf ich pragmatisch politische Macht als die notwendige Ordnung menschlichen Zusammenlebens garantieren, die dann gut ist, wenn sie mir ermöglicht, Gott zu geben, was Gott gehört…Amen.