Pfungen 27. September 2026
26. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 27. September 2026
Wenn sich der Schuldige von seinem Unrecht abwendet, wird er sein Leben bewahren (Ez 18,27).
Liebe Mitchristen,
In den drei Lesungen heute wird die Frage nach dem Verhältnis von Haltungen, Überzeugungen und daraus resultierendem Verhalten in Übereinstimmung mit Wort, Glaube und Tat behandelt. Sowohl Ezechiel als auch Matthäus sind davon überzeugt, dass ein gutes Handeln nie zu spät und eine Umkehr immer möglich ist.
Nun schauen wir den Propheten Ezechiel genauer an. Der Prophet Ezechiel war ein Priester, der gemeinsam mit einem Teil des Volkes Israel nach Babylon deportiert wurde. Also waren sie im Exil, das bedeutet die eigene Heimat zu verlassen und dies erweis sich als ein traumatisches Erlebnis. In dieser Situation tritt der Prophet Ezechiel auf und predigt die Herrlichkeit Gottes. Etwas besonders mit Ezechiel war auch, dass er nicht nur als Prophet auftrat, sondern er bekam ein besonderes Amt, nämlich über das Volk Israel zu wachen. Am Beginn seiner Berufung erlebt Ezechiel viele Visionen, in dem er das Ende Jerusalems erkannte. Das ganze Buch des Propheten Ezechiel ist voller Zeichenhandlungen und Bilder. Viele Theologen sehen in ihm die Aufarbeitung eines Traumas oder in der modernen Sprache von heute, als eine posttraumatische Belastungsstörung. Manche nennen ihn ein Stück Traumatische Literatur, indem das Volk Israel ihr erlebtes Schicksal aufarbeitete.
Aus historischen Quellen lassen sich die Schrecken nachverfolgen, welche das Volk Israel durch den Belagerungskrieg und bei der Deportation nach Babylon erlebt hat. Hunger, Seuchen, Kriegsgemetzel, Folter, sexuelle Gewalt, Plünderungen, das sind nur ein paar zu nennen. Dazu mussten die Deportierten todbringende, kilometerlange Wege zurücklegen. Sie erlebten auf diesem Weg das Sterben ihrer Angehörigen, die Zerschlagung von Familien und endete in einem fremden Land, wo die Hoffnung auf Rückkehr gering war. Derzeit sind die Ukraine, Gaza, Jemen, und Sudan sowie andere Kriegsschauplätze eine Erinnerung an das, was Ezechiel predigte.
In Ezechiel wird nun das Kollekte Trauma des gesamten Volkes individuell konkret. So werden Bilder, wie plötzliches Einbrechen von Schreckensbildern und der Umgang mit persönlicher Schuld, Scham und Rache thematisiert. So scheint der Prophet Ezechiel eine literarisch-theologische Antwort auf Kriegserlebnisse zu sein. Gewalt und deren Folgen kommen im Angesicht Gottes zur Sprache und werden aufgearbeitet. Im heutigen Text steht die Frage nach kollektiver und individueller Schuld im Mittelpunkt. Die Erkenntnis von Schuld und die persönliche Verantwortung ermöglicht dem Volk Isreal als einzelnen zu handeln und selbst tätig zu werden. Nur wer das Wort des Wächters hört und es bereut, kann durch Umkehr zu Gott kommen.
Heute gibt es in unserer Zeit solche Stimmen, die uns an ein dringendes Handeln erinnern. Es ist die jüngere Generation, die mahnt und auf die fatalen Folgen von egoistischem Handeln gegenüber Menschen und Umwelt mahnen. Sie sagen uns, dass wir umdenken müssen. Es ist darum nicht verwunderlich, dass wir solche jüngeren Menschen im Bereich von Seenotrettung-Aktivisten, Klimaaktivsten usw. sehen. Sie übernehmen das Wächteramt von dem Propheten Ezechiel und bieten uns somit einen guten Zugang zur heutigen Ersten Lesung. Also, wer seine Fehler erkennt, sie bereut und umkehrt, der begegnet Gottes Barmherzigkeit und Güte. In der Krise sollen die Menschen sich nicht zu Tode trauern, vielmehr sollen sie sich dem gnädigen Gott zuwenden und sich auch einen neuen Anfang zutrauen… Amen.