Pfungen 20. September 2026
25. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen, 20. September 2026
Bist du neidisch, weil ich zu den anderen gütig bin (Mt 20, 15)?
Liebe Mitchristen,
Neid und Missgunst erleben wir nicht nur in der Familie, denn dort vergleichen wir schon, ob die Schokolade der Schwester oder des Bruders länger, dicker oder grösser ist als unsere. Wieso darf mein Bruder ins Kino und ich nicht? Auch am Arbeitsplatz ist diese Phonomina vorhanden. Wir hören solche Sätze wie, ich bin lange im Betrieb und du wurdest befördert und ich nicht. Ich arbeitete den ganzen Tag und du machst nur ein paar Stunden, doch bekommst du mehr Bonus! Neid und Missgunst können Beziehungen kaputtmachen und kann Angst und Zwietracht zwischen den Menschen schüren. Heute kaufe ich Dinge, die ich nicht brauche, mit dem Geld, das ich nicht habe, um jemandem zu gefallen, den ich nicht mag! Eine ganze Industrie lebt heute davon.
Im Evangelium hören wir von Tageslohnarbeiter, die unterschiedliche Stunden in dem Weinberg arbeiten, die berufen worden sind. Manche ganz früh um die 9. Stunde und die letzten um die 11.Stunde, das wäre 17.00 Uhr am Abend und um 18.00 Uhr wäre die Zeit, um alle auszuzahlen. Wichtig ist zu erwähnen, dass der Weinbergbesitzer alle den gleichen Lohn versprochen hat, nämlich einen Denar. Auch wissen wir, dass die Arbeiter der ersten Stunden den ganzen Tag gearbeitet haben, sie hatten die Hitze und mehr Stunden gearbeitet. Ein Denar ist der faire und gerechte Lohn für den Tag. Wir verstehen heute sehr gut das Murren der ersten Arbeiter, denn sie haben den ganzen Tag gearbeitet und sollten nach unserem Arbeitsverständnis mehr bekommen auf Grund ihrer längeren Leistung!
Worum geht es hier? Das Gleichnis entspricht nicht ganz unserer Arbeitswelt von heute, welche auf Leistung und Belohnung basiert ist, sondern im Grunde genommen um die Frage «Wer ist Gott»? Wir erfahren, dass Gott gut ist und grosszügig und gütig. Gott ist grösser als die Kleinherzigkeit der Menschen. Er ist grösser als unser Frust und unsere Unzufriedenheit und seine Güte sprengt das enge Denkkorsett der peniblen Arbeiter. Wer dankbar ist, für die ihm im Leben geschenkten Gaben, der hat keine Zeit, um sich mit anderen zu vergleichen. Der hat keine Zeit, um missgünstig und unglücklich zu leben, bloss weil andere weitere Belohnungen im Leben bekommen haben. Gott lebt und verfällt nicht in die mathematischen Denkmuster der Welt. Er denkt anders, er ist kein kühler und abstrakter Rechner der Welt.
Dazu hat Gott eine Affinität für die Armen “Niemand hat uns angeworben“, sagen sie, nachdem sie den ganzen Tag untätig und müssig herumstanden. Also hat Gott eine Liebe für Migranten, die keine Arbeit verrichten dürfen, die kaum jemand anspricht, weil sie anders sind und offenbar Geld fürs Nichtstun bekommen! Vielleicht sind es Arbeitslose, die vermeintlichen Unnütze! Sind es die Gefangenen, welche von den Menschen vergessen worden sind? Sind es die ins Heim Abgeschobene und von allen allein gelassenen? Gott ist anders und seine Vorstellung entspricht nicht unseren Vorstellungen und Gedanken. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege“, so hörten wir in der ersten Lesung von Jesaja 55, 8.
Gott gibt den gleichen Lohn, denen die den ganzen Tag im Weinberg gearbeitet haben, denen die murrten, aber auch denen, die in den letzten Stunden, fünf vor zwölf, berufen worden sind. Gott rechnet nicht nach dem Massstab der Menschen, er ist nicht kleinlich, wie wir. Ehrgeiz und Leistung spielen bei ihm weniger eine Rolle als bei uns. In seinem Reich ist Platz für alle. Wir alle werden im Reich Gottes zu Arbeiter berufen. Der Lohn ist für alle gleich, nämlich die Ewigkeit und seine Nähe zu erleben. Gott schenke uns die Kraft, nicht in Neid und Vergleich zu verfallen… Amen.