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24. Sonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 13. September 2026

 [BO1]

24. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen, 13. September 2026

Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis (Sir 278,1)

Liebe Mitchristen,

Neuerlich habe ich ein Video auf tiktok geschaut, wo ein Afrikaner gegen Verzeihung und Vergebung predigte. Seine Begründung war, dass derjenige, dem man verzeihen und vergeben hat, später noch größeren Schaden begehen kann. Die böse Person kann sich noch besser ausrüsten und kräftiger als vorher zuschlagen. Für ihn ist es besser nicht auf Frieden, Freude, Eierkuchen zu plädieren, sondern solch eine Person von Anfang an zu meiden und sich von ihr fernzuhalten. Solch eine Person bleibt für ihn ein Feind und man schützt sich besser, wenn jeglicher Kontakt mit solch einer Person abgebrochen wird.

Es scheint ein menschliches Bedürfnis zu sein, Rache auszuüben, dort wo man meint, Unrecht erlitten zu haben. Rache scheint hier zu einer Art Selbstverteidigung und Selbstbehauptung des Menschen zu dienen. Es fragt sich jedoch wo die Grenze solcher Rache und Groll enden darf und wo geht man von Rache für erlittenes Unrecht zu Unrecht selbst aus? Wenn wir heute die Situation zwischen Israel und den Palästinensern anschauen, wo ist damals Rache für den Überfall an den Jugendlichen und wo ist Vernichtung des anderen angestrebt worden? Ist die Vergeltung verhältnismäßig? Im Alten Testament lesen wir die Aussage „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. In der derzeitigen Kriegsführung zwischen dem Iran und den USA wird dieses Prinzip praktiziert, Rache und Vergeltung für die Tötung des anderen und die Spirale der Gewalt dreht sich hoch und geht weiter.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie hart und unverzeihlich selbst Christen sind, als sei die ganze frohe Botschaft Jesus auf einem Stein abgeflossen! In vielen afrikanischen Kulturen und in Bezug auf Vergebung, hat man oft eine Grenze der Vergebung. Bis zum zweiten Mal kann man dies als Fehler verzeihen, aber beim dritten Mal hört die Vergebung auf, denn es handelt sich nicht mehr um Verfehlungen, sondern wird als böse Absicht gesehen.

Das Buch Jesus Sirach macht klar, worum es heute geht. „Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Süden behält er im Gedächtnis. Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben. Der Mensch verharrt im Zorn gegen den anderen, vom Herrn, aber sucht er Heilung zu erlangen? Mit seinesgleichen hat er kein Erbarmen, aber wegen seiner eigenen Sünden bittet er um Gnade!“ (Sir 28, 1-4).

In den Augen Gottes ist Groll und Zorn ein Gräuel und ein Kennzeichen eines Sünders. Jesus Sirach argumentiert, wie widersprüchlich die Haltung vieler Menschen ist. Wenn du schon gerne Rache und Vergeltung übst, warum möchtest du dann, dass Gott dir deine Fehler verzeiht? Wie kannst du zu Gott beten, wenn dein Herz so hart ist? Gerade angesichts der Endlichkeit des Lebens und dass wir hier auf Erden nur eine Weile sind und zurück zu unserem Schöpfer gehen müssen. Allein diese Tatsache müsste uns animieren, auf Rache und Vergeltung zu verzichten und uns in Vergebungsbereitschaft zu üben. Das ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Jesus fordert uns heute heraus und oft sind wir überfordert mit dieser Forderung. Zugegeben, die Verletzungen können sehr groß sein und nicht selten begnügen sich manche Menschen nicht mit wüsten Beschimpfungen und einer Wutrede gegenüber Politiker, Journalisten und Andersdenkenden, besonders in den Sozialen Medien. Oft schreiten sie heute zu Gewalt über. Nur in der Vergebung und Barmherzigkeit können wir Kinder Gottes heißen und auch sein.  

Beten wir, dass Gott uns ein großzügiges Herz schenkt, welches bereit ist, statt Rache, Vergebung und Verzeihen zu üben. So können wir die Spirale der Gewalt und Rache stoppen… Amen.