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23. Sonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 5. September 2026

23. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 5. September 2026

Wenn dein Bruder sündigt, dann gehe zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht (Mt 18, 15).

Liebe Mitchristen,

Ich erinnere mich noch immer an eine Szene auf der Maria-Theresia-Straße in Innsbruck 1988. Dort, bei einer Bushaltestelle, spielten zwei Kinder Fußball! Es waren einige Erwachsene dort, welche dem gefährlichen Spiel der Kinder zuschauten, aber zu meinem Erstaunen wiesen sie keinen von den spielenden Kindern zu Recht. Was für eine Welt! Was für eine individualistische Gesellschaft! Nach dem Motto, sie sind nicht meine Kinder, also geht es mich nichts an. Ich möchte mich nicht in die private Angelegenheit des anderen einmischen.

Die katholische Synode in der Schweiz hat das Arbeitsrecht der Wirtschaft übernommen und ziemlich klar geregelt, wie man mit Konflikten unter angestellten Mitarbeitern umgehen soll. Bei den Konflikten sucht man zuerst den Dialog untereinander, dann geht man zum Chef, der mit der Person ein Gespräch führt. Sollte es keinen Erfolg haben, dann wird die Kirchenpflege mit einbezogen, die dann auch das Gespräch fortsetzt. Oft wird die Ombudsstelle als Mediation beigezogen. Erst dann, wenn es nicht gefruchtet hat, dann kann es zu einer Trennung oder Kündigung kommen.

Auch kennen wir die sogenannte „Exkommunikation“, insbesondere zuletzt mit der Piusgemeinschaft und Rom. Viele Christen reagieren sehr negativ auf diesen Ausschluss aus der Gemeinschaft. Dabei ist es immer die letzte Handlung und nicht als erster Schritt gemacht. Zuvor gibt es oft einige Schritte und Gespräche, um die Brüder oder Schwestern in Liebe wieder zu gewinnen.

Im Evangelium heute begegnen wir einer jungen Kirche und offenbar läuft es gut, jedoch nicht überall. In dieser jungen Kirche gibt es Konflikte und schwarze Schafe und es stellt sich die Frage, wie man damit umgehen soll? Welche Regeln und Prozesse sollen sie gehen, um die Sündigen wieder für sich zu gewinnen, ohne die Betroffenen vorschnell zu verurteilen? Als erstes sucht man ein vier Augen Gespräch mit den Sündigen. Hier kann die Schuld klar benannt und bekannt werden.  Wer in einer Ehe und Partnerschaft lebt, weiß wie ein klärendes Gespräch aus Liebe die Luft erfrischen kann. Es geht weiter mit einem kleinen Kreis von Gläubigen und vertrauten Menschen, um sein Gesicht zu wahren und sich nicht bloßzustellen. Erst wenn diese zwei Versuche mit zwei oder drei Leute nicht gefruchtet haben, wird die Gemeinde informiert. Sollte die Person auch hier stur bleiben, kann es zum Ausschluss aus der Gemeinde oder Gemeinschaft kommen. Alle Versuche zuvor sind Ausdruck der Liebe und die Sorge, um den Mitbruder oder die Schwester zur Umkehr zu bewegen. So kommt man an die Grenze des Möglichen. Hier geht es darum, die Beschädigung der Gemeinde zu begrenzen und diese zu schützen. So wird zwei oder drei im Namen Jesus handeln müssen.

Jesus gibt seiner Gemeinde die Möglichkeit zu zweit oder zu dritt einmütig zu entscheiden und diese Entscheidung ist bindend. Wir sehen hier die Verordnungen und Anweisung im Umgang mit sagen wir „abtrünnigen Mitgliedern“ der Kirche. Es wird zum Problem, wenn der letzte Schritt vorgezogen wird, was aber im Arbeitsrecht heute keinen Bestand hat. Es fragt sich hier, ob denn die Liebe seine Grenzen hat.

Wenn man die erste Lesung dazu nimmt, so ist es auch unsere Pflicht und Aufgabe die Augen nicht einfach zu verschießen auf Entwicklungen und Verhalten, welche der Gemeinschaft Schaden hinzufügen kann, wie die Erwachsenen, welche in meiner Geschichte am Anfang die spielenden Kinder auf einer viel befahrenen Strasse in Innsbruck nicht gewarnt haben.

Eine kritische Stimme fragt in diesen Zusammenhang, ob das Christentum die christliche Botschaft von heute so an die Gesellschaft und den sozialen Vorstellungen der Menschen angepasst hat, dass kein Platz mehr für geschwisterliches Zurechtweisen gibt. Beten wir, dass Gott uns seine Gnade schenkt, damit wir in allen Konflikten die Liebe nicht vergessen, aber dass wir auch die Kraft für die Abtrünnigen haben, weiter für sie zu beten, um sie hoffentlich wieder für die Gemeinschaft zu gewinnen…Amen.

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