Pfungen 26. Juli 2026
17. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 26. Juli 2026
Verleihe daher deinem Knecht ein hörendes Herz… (1. Kön 3, 9)
Liebe Mitchristen,
Ab und zu treffen wir Menschen, die sehr gut hören und Nebengeräusche und Dinge im Hintergrund hören. Man sagt, dass sie das Gras wachen hören! Bei solchen Menschen mit solcher Begabung muss man aufpassen, was man ihnen sagt. Dazu kann man kaum in ihrer Nähe flüstern, da die Gefahr besteht, dass sie alles hören. Auch reagieren sie sehr empfindlich, wenn ihr feines Gehör auf die Folter gestellt wird, durch sehr unangenehmere Geräusche, wie Türen oder Fenster schlagen, sowie Kühlschrank, der nicht geölt ist und das Gehör strapazieren. Allgemein wird der Katze nachgesagt, dass sie auf Geräusche empfindlich reagiert, da sie mehr hören kann als wir Menschen.
Neuerlich lass ich von einem Komponisten, Olivier Messiaen, der von 1908 bis 1992 gelebt hat. Er wollte Vogelstimmen musikalisch nachempfinden. Ihm wird nachgesagt, dass er bis 700 verschiedene Vogelstimmen unterscheiden konnte, und diese hat er auf Notenpapier gebracht. Offenbar konnte er Vogelstimmen wie Amsel, Gimpel, Rotkehlchen, Zaunkönig, Mönchsgrasmücke, Goldbauchschnäpper usw. unterscheiden! Also war er ein genial-gut Hörer!
Eine solche Bitte hat in unserer Lesung heute auch Salomon an Gott gestellt. Also nicht Gesundheit, langes Leben, Ansehen, Ruhm, ein starkes Militär, Reichtum, grosse Nachkommen, perfekte Figur, viele Autos, Liegenschaften, gefülltes Konto bei den Banken, Macht über alle anderen Nationen und sonstiges, was der moderne Mensch sich wünschen könnte, hat er Gott bei seinem Amtsantritt nicht gebeten. Stattdessen bittet er Gott auf dem Berg Gibeon: «Verleihe daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht» (1. Kön 3, 9ff). Salomon hat offenbar Angst vor der Aufgabe als König, da er auch sehr jung war.
Wie soll dieses hörende Herz aussehen? Das bedeutet zunächst, Gott als den Herrn zu fürchten und der Ruhm Gottes hat Bestand für immer. Dazu Gott als Halt zu nehmen und all dies nicht zu tun, unklug handeln und dann werden sie scheitern. Auch solle man sein Tun und Handeln im Blick auf Gott reflektieren und seinen Alltag danach ausrichten.
Warum ein hörendes herz? Das ist der Fall, weil das Herz die Mitte des Menschen ist, der Sitz von Verstand und Willen. Klugheit kommt demnach von Hören und das Gehörte weiter an den Menschen zu geben. Einfach zu hören, reicht hier nicht, man muss fein hinhören, um Gottes Wort gut zu hören. Zu unterscheiden zwischen Gut und Böse, bedeutet auch sich der Realität des Alltags zu stellen und nicht naiv durch die Welt zu gehen. Vielleicht braucht es mehr als in der Schublade von Gut und Böse die Welt zu unterscheiden. Oft bedarf es, zwischen den Tönen, die leisen Töne, zu hören! Also eine sehr breitere Hörempfindlichkeit.
In den politischen Debatten im Land, bei Talkshows und im Gespräch mit Kollegen und anderen Menschen, sowie in den kirchlichen Diskussionen unserer Zeit reicht es nicht, beim Hören nur das konservative und progressive herauszuhören. Die Zwischentöne, Doppelklänge von Leidenschaft und Leiden, sind notwendig. Hören wir auch von Stille, Hoffnungen und taubmachenden Frustrationen, empörten Tönen, weil sie nicht gehört werden, Alarmsignale der Polarisierung! Unsere Ohren müssen trainiert werden, um die leisen, wichtigen Stimmen unter vielen Tönen herauszuhören.
Bitten wir wie Saolomon um ein hörendes Herz, wenn wir über die Zukunft der Kirche sprechen, im pastoralen Umgang mit Menschen am Rande der Gesellschaft, in der Familie und dort wo wir immer mit Menschen verschiedener Herkunft zu tun haben. Helft uns Gott, zu unterscheiden zwischen Gut und Böse und dem, was im Leben schliesslich zählt, nämlich Gott… Amen.