Pfungen 12. Juli 2026
15. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 12. Juli 2026
So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt (Jes. 55,11)
Liebe Mitchristen,
Sicherlich werden viele Prediger heute über das Gleichnis vom Sämann predigen, welche zu den fünf grösseren Reden von Matthäus gehört. Lasst mich jedoch zu der ersten Lesung hinführen, zumal dies uns oft nicht bekannt ist. Die Lesung ist aus dem Buch Jesaja und kommt von dem sogenannten Deutro-Jesaja. Die Verse von Deutro-Jesaja sind voller Botschaften von Trost und Hoffnung in schwierigen Zeiten. Historisch befindet sich das Volk Israel am Ende und in der letzten Phase des babylonischen Exils. Der Verlust ihrer Heimat und die lange Gefangenschaft haben ihnen furchtbares Leid zugefügt. Auch sind sie in ihrer religiösen Gewissheit erschüttert worden. In dieser Krise und Verzweiflung ergreift Gott das Wort um Zuversicht zu erwecken und ihren Blick auf die Zukunft zu richten. Gott wirbt für Zuversicht und um das verlorene Vertrauen wiederherzustellen.
Eigentlich geht es hier nicht um das Wort im klassischen Sinn und wie manche es meinen. Gemeint ist das heilvolle Wirken Gottes an seinem Volk Israel. Um diese hoffnungsvolle Botschaft zu vermitteln, greift Jesaja auf das Bild und Erlebnis der Naturvölker seiner Zeit und was für sie nachvollziehbar war. Während der langen trockenen Zeit verwandelt sich die Landschaft in eine karge Wüste. Alles ist staubig und die Natur leidet sehr darunter. Diese Situation müsste uns in diesem Sommer bekannt vorkommen. Auf Grund der Trockenheit wird selbst bei uns und in vielen Gemeinden die Rationierung des Wassers empfohlen und das Anzünden von Feuer überall verboten! Doch sobald der erste Regen fällt, erweckt es im Erdreich die Samenkörner zum Leben und bald wird alles Grün und Bunt. Da sieht man die Schönheit der Natur und lädt uns zu langen Spaziergängen in die Natur ein.
Für die Menschen damals, welche mit dem Kreislauf der Jahreszeiten lebten, war dies ein Zeichen dafür, dass Gott mit seinem Handeln zuverlässig für Leben und Wachstum sorgt. Auch wenn die Umstände im Leben hoffnungslos erschienen, wie die karge Landschaft, sobald der Regen fällt wird es das Leben zum Blühen bringen. Gott schenkt seinem Volk Heil und Hoffnung, aber auch Zuversicht durch sein Handeln. Sein heilendes Wort hat Kraft, wie die aufgehenden Samen nach dem Regen. Übertragen auf uns heute, gibt es Umstände im Leben, wo wir als Menschen hoffnungslos sind und ohne Zuversicht. Der Tod eines lieben Menschen kann uns aus der Bahn werfen, dass unsere Seelenlandschaft karg und staubig erscheint. Der Verlust der Arbeit kann ebenfalls den Mensch so erschüttern, dass er in eine Depression geraten und echt krank werden kann. Eine unheilbare Krankheit kann schreckliches in Menschen anrichten, dass man sein ganzes Leben in Frage stellt oder gar den Glauben an Gott verliert. Eine Natur-Katastrophe kann so schlimme Zerstörung hervorbringen, dass der Mensch alles verliert und vor dem Nichts steht. Der Verlust der Heimat durch Hungersnot, Dürre oder Krieg sind weiterhin Beispiele von Erfahrungen der kargen, trockenen Landschaft, wo Regen fehlt.
Jemanden in dieser Situation eine helfende Hand zu reichen, ja Zeit zu schenken durch einen Besuch, kann Wunder wirken. Jemandem in dieser Situation das richtige Wort zu sagen, kann sehr heilend wirken. Es reichen auch nur Kleinigkeiten des Lebens und des Wohlwollens gegenüber dem Betroffenen, welche ihm wieder Zuversicht und Hoffnung geben kann. Im Todesfall und damit verbundenen Abdankung freuen sich die Angehörigen, wenn sie Worte des Trostes und Zuversicht erhalten. Die Menschen sind hingegen enttäuscht und verlieren ihren Glauben an die Menschen, wenn man ihnen hier ein falsches Versprechen gibt. Das sind dann Worte und Handlungen, die nichts wirken und durchaus verwirrend sein können. Heute hören wir von Jesaja, dass Gottes Worte und Wirken zuverlässig sind, darum können sie als Kraft und Quellen wirken in schwerwiegendsten Stunden und karger Landschaft des Lebens. Dort wo es tief das Herz erreicht, können sie wieder Hoffnung, Freude und Mut in den Menschen hervorrufen.
Möge Gottes Wort und Wirken tief in uns ihre Wurzeln schlagen, dass wir immer auf sein Wirken vertrauen können… Amen.