Pfungen 28. Juni 2026
13. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 28. Juni 2026
Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen (2. Kön,10)
Liebe Mitchristen,
Als ich ein Student war und in Frankfurt studierte, machte ich Vertretung während der Sommerferien in einer Pfarrei im Bistum Trier bei Saaland. Gerade wurde damals das Pfarrhaus renoviert, so dass ich als Vertretung keinen Platz hatte, wo ich mein Haupt hinlegen konnte. Prompt bot sich eine evangelische Familie an und räumte ihren Kellerraum aus und richtete ein Zimmer für mich ein. So konnte ich dort wohnen und meine Tätigkeit als Vertretung in der katholischen Pfarrei wahrnehmen. Ich fühlte mich wie ein Teil der Familie, denn alle im Haus waren um mein Wohl besorgt und es gab von beiden Seiten regen Austausch und Bereicherung. Am Ende meiner Vertretung und als sie erfahren haben, dass ich noch im Studium war, gaben sie mir sogar das Geld, welches für meine Verpflegung vorgesehen war und die Pfarrei ihnen angeboten hatte.
In der ersten Lesung aus dem Buch der 2. Könige hören wir, wie ein Ehepaar den Propheten Elischa bei sich daheim aufnimmt. Interessant ist die Rolle der Frau in dieser Geschichte und die Initiative, welche von ihr ausging. Es war die Frau des Hauses, welche so aufmerksam war um zu ahnen, dass Elischa ein Mann Gottes ist. Es war die Frau des Hauses, welche nach Überzeugung ihres Mannes, Elischa zum Essen eingeladen hatte, da er ständig an diesem Weg vorbei ging. Sie hört dort nicht auf, sondern ging einen Schritt weiter, in dem sie wieder ihren Mann überzeugte, ein Zimmer in ihrem Obergeschoss einzurichten, damit der Mann Gottes sich dort zurückziehen kann.
Diese Geschichte gibt uns einen Einblick in das Leben des Paares. Es scheint eine harmonische Beziehung zwischen Mann und Frau zu sein. Wir sehen die mütterlichen Züge dieser Frau, die vieles unternahm, um einem Fremden und Mann Gottes das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Wir gehen davon aus, dass sie auch ein grosses Herz besitzt und ihm nicht nur Essen gegeben hat, sondern wahrscheinlich noch seine Wäsche gemacht hat. Für diese Familie wird die Gastfreundschaft gross geschrieben, eine Gastfreundschaft welche keine Belohnung und Erwartungen an Elischa gestellt hat. Vielleicht ging die Frau davon aus, dass der alleinige Aufenthalt in ihrem Haus schon genügend Belohnung für sie war, denn damit holt man Gottes Segen ins Haus. Vielleicht will sie nur Elischa menschlich helfen, seine pastorale Aufgabe zu erfüllen. Vielleicht will sie etwas für ihren eigenen Glauben tun, denn der Kontakt und Austausch mit Elischa kann auch zur Stärkung ihres Glaubens führen. Vielleicht will sie nur überkonfessionell helfen, wie meine Geschichte anfangs sich zeigte, damit ein Studenten-Preister seine Aufgabe in der Pfarrei reibungslos erledigen konnte. Auf jeden Fall zeigte sie Grosszügigkeit und Grossherzigkeit gegenüber dem Gottesmann Elischa.
Was nehmen wir mit nach Hause heute? Zuerst feiern wie heute eine gemeinsame, seit Jahren bewährte Gastfreundschaft unserer Pfarrei mit der Igbo-afrikanischen Gruppe. Wie die Frau in unserer Geschichte waren es Menschen, die die Initiative ergriffen haben und der Afrikanischen Gemeinschaft eine Heimat in unserer Pfarrei angeboten haben. Eine Initiative, welche den Austausch und der Feier heute den Weg bereitet hat. So erlebt man ein Stück Weltkirche vor Ort. So wagt man über seinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und die helfende Hand einer Schwestergemeinschaft zu geben!
Ein englisches Sprichwort sagt «one good turn deserves another- gutes mit Gutem vergelten oder wie man in den Wald schaut, so schallt es heraus«. Natürlich bringt es einige Unannehmlichkeiten mit sich, wenn sie sich aufmachen und einem Fremden begegnen und besonders wenn sie ihm ihre Gastfreundschaft gewähren, doch der Gewinn ist höher und eine Bereicherung. Das Evangelium schliesst mit der Aussage Jesu «Und wer einem von den Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt – Amen ich sage euch: er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen»(Mt10,42). Nächstenliebe beschränkt sich nicht auf die Gastgeber, sondern dehnt sich auf den Gast aus. Menschlichkeit und Bereitschaft zu helfen endet nicht im Kirchenraum, sondern spornt uns an, die Frohe Botschaft konkret zu verkünden durch gelebte Nächstenliebe. Diese kommende Woche ist wieder eine Gelegenheit dies auszuüben und Gott schenke uns ein weites Herz dazu… Amen.