Pfungen 14. Juni 2026
11. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 14. Juni 2026
Die Ernte ist gross, aber es gibt nur wenig Arbeiter (Mt 9,37)
Liebe Mitchristen,
Vor einigen Jahren gab es ein Bistum in Nigeria, das über 10 Jahre keinen Bischof hatte. Wenn man dort zu Besuch war und im Bischofssitz schaut, oder auch in der Kathedrale, so merkte man wirklich, dass hier ein Bischof fehlt. In der Kathedrale wuchs das Unkraut, der Altarraum wird schon gereinigt, aber manche Stelle eben nicht so gut. Zwar gab es einen Generalvikar und sonstige Hilfsleitungen des Bistums, aber niemand war am Ende zuständig für das Bistum. Inzwischen haben sie endlich einen Bischof und alles sieht jetzt anders aus.
So bekommt man eine praktische Ahnung, wie es einem Bistum geht, das keinen Hirten mehr hat, wie eine Herde, die kein Hirte mehr hat. Die einzelnen Schafe zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen, weil sie sich allein gelassen fühlen. Niemand führt sie mehr an eine saftige Weide oder an eine Wasserstelle, besonders in trockenen Zeiten. Solche Herden sind schutzlos den Räubern und wilden Tieren ausgeliefert. So war die Erfahrung Jesus, als er durch die Dörfer und Städte wanderte und vielen Menschen begegnete. Sie kamen ihm vor wie Schafe ohne Hirten. Dazu waren sie alle müde und erschöpft (Mt 9,36). Unter ihnen waren viele, die an manchen Krankheiten litten. Andere haben sowohl körperliche als auch geistige Gebrechen. All diese suchten Trost für ihre Seele, weil sie einsam und verzweifelt waren.
Jesus stellt fest, dass die Ernte gross ist, aber leider gibt es nur wenige Arbeiter, um diese Ernte zu holen. Es ist übrigens auch ein Hinweis, dass zu Zeiten Jesus auch schon Priestermangel und zu wenig Helferinnen und Helfer existiert hatte. Falsch wäre es hier, die Ernte als Gericht zu deuten, wie es früher der Fall war. Jesus hat sicherlich beobachtet, wie es damals bei der Ernte in der Landwirtschaft zuging. Wie hektisch und betriebsam es zuging, wenn die Feldfrüchte reif wurden. Man muss die Ernte schnell einholen, sonst wird sie entweder zu Grunde gehen, oder durch Unwetter zerstört werden. So könnte man die Arbeit und Mühe des ganzen Jahres verlieren. Es bedarf also bei der Ernte viele Hände von Helferinnen und Helfern und dies muss rasch erledigt werden, um die Ernte zu retten.
Jesus begegnete Menschen, die Wünsche, Sorgen aber auch Hoffnung haben. Sie alle sehnen sich nach dem Gottesreich. Das erklärt warum zusätzlichen Helfer und Helferinnen benötigt werden, denn nur so kann die Botschaft Gottes zu allen Völkern gelangen. Realistisch gesehen ist es Jesus klar, dass er alleine diese Aufgabe nicht erledigen kann, so berief er seine 12 Apostel, um das Evangelium weiter zu verkünden, aber auch um sich pastoral um die Sorgen und Anliegen der Menschen zu kümmern. Neben der Verkündigung des Evangeliums bekommen die Apostel auch den Auftrag, die Menschen von ihren Krankheiten zu heilen. Die Zahl zwölf symbolisiert die 12 Stämme Israels, aber auch das ganze neue Volk Gottes. Heute und im Blick auf unsere gemeinsame Taufe gilt dieser Auftrag nicht nur für die zwölf Apostel, sondern er geht alle an, die Christus nachfolgen. Wir sehen, dass die 12 Jünger Jesu und Jesus selber diese Aufgabe kaum bewältigen konnten, und so braucht man für die Ernte zusätzlich helfende Hände, wie wir, damit die Herde wieder Hoffnung und Zuversicht erlangen kann.
Auch heute leben wir in einer Welt voller Verwirrung und sind orientierungslos. Auch heute sind viele Menschen einsam, krank. Andere haben einen lieben Menschen verloren und fragen sich, wie es weitergehen soll. Manche Menschen haben den Halt im Leben verloren, sind obdachlos, haben ihre Arbeit verloren und suchen einen Ausweg aus dieser Situation. Wie viele sind auf der Flucht, weil bei ihnen Krieg, Hungersnot oder Dürre herrscht? In unserer Zeit gibt es Menschen, die auf der Suche nach Gott sind und keine Hilfe finden. So sehen wir selber, wie gross die Ernte ist und es fragt sich, ob sie dabei helfen, der Herde wieder eine Orientierung zu geben und ihnen einen Weg zu zeigen? Bietest du als Christin und Christ eine helfende Hand, um die reife Ernte einzuholen? Gott schenke uns die Gnade, Mitleid zu haben und unsere helfende Hand anzubieten und dazu wieder den Dienst an den «Müden und Erschöpften» dieser Welt zu leisten… Amen.