Pfungen 14. Mai 2026
Christi Himmelfahrt im Jahreskreis A, Pfungen 14. Mai 2026
Er wurde vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf…(Apg 1,9)
Liebe Mitchristen,
In der Apostelgeschichte hören wir zunächst die Anweisungen Jesu vor seiner Aufnahme in den Himmel. Zunächst gibt er ihnen Anweisungen, was sie tun sollen und worauf sie achten sollen, bis der Heilige Geist kommt und sie ihn von seinem Vater erhalten haben. Sie sollen nämlich nicht von Jerusalem weggehen, bis sie den Geist bekommen haben. Es sind drei Aspekte der Berichte von der Himmelfahrt Jesu nach Lukas in der Apostelgeschichte. Zuerst ist erwähnt worden, dass er ihren Augen entzogen ist. Diese Perikope ist sehr wichtig, auch wenn es nur kurz erwähnt wurde. Der Weggang Jesu hinterlässt eine Lücke, eine Leere, bei den Aposteln. Denn Jesus, mit dem sie das physische Mahl gehalten haben, ist nicht mehr zu sehen. Es ist dadurch eine Leere entstanden und diese Leere ist auch eine Leerstelle für die Jünger Jesu geworden. Denn dort, wo sie nicht mehr wissen, nicht mehr sehen, hat sich ein neuer Raum eröffnet, der dem Emporgehobenen gehört. Es ist eine göttliche Leerstelle und wird den Grundton des weiteren Lebens der Apostel sein.
Die zwei Boten sagen den zurückgebliebenen Jüngern Jesu, wohin der Weg danach gehen wird. Diese Leere wird die Jünger konstant begleiten. Jesus wird nicht mehr berührbar, ja greifbar, für sie sein. Er wird mit ihnen nicht mehr am Tisch sitzen und sie lehren, was in seiner Frohen Boschtaft zu finden ist. Die Zeit des Praktikums ist vorbei. Jetzt haben sie genügend von ihm gehört und erfahren. Nun sie sind bereit, einen weiteren Schritt zu gehen, nämlich in die Welt zu gehen und das Gelernte weiterzugeben!
Zum zweiten Aspekt hat Jesus ihnen versprochen, dass sein Vater ihnen den Heiligen Geist senden wird. Der Jesus, der am Kreuz hing, wurde nicht durch den Tod vernichtet, sondern er lebt. Wir sehen einige vertraute Begriffe bei der Himmelfahrt Jesu. Wir hören von einigen Elementen von Ostern, die Wolke, den Himmel, die Zahl 40. Die Zahl 40 ist eine symbolische Zahl, welche oft in der Bibel erwähnt wird. 40 Tage dauert die Sintflut (Gen 7ff). 40 Jahre waren die Israeliten unterwegs durch die Wüste (Jos 5,6). 40 Tage war Moses auf dem Berg Horeb (Ex 24,18). 40 Tage fastet Jesus in der Wüste (Mt 4,2). Die Zeit zwischen der Auferstehung Jesu und seiner Himmelfahrt dauert ebenfalls 40 Tage. So bedeutet die Zahl 40, die Zeit der Vollendung in Gott und eine göttliche Heilszeit.
Zum letzten Aspekt, dem Empfang des Heiligen Geistes: «ihr aber werdet in wenigen Tage mit dem Heiligen Geist getauft» Apg 1,5). Kraft des Heiligen Geistes werde ich Zeugnis ablegen und meine Jünger im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen. Wenn jemand von etwas erfüllt ist, will er dies weitergeben. Wenn jemand von Gottes Botschaft erfüllt ist, wird er nach der Art Jesu leben und der Heiliger Geist wird in ihm spürbar werden. Von Jesus erfahren wir, dass dieser Heilige Geist eine Gabe ist, ein Geschenk Gottes. In dem Fall kann ich aus mir selber gar kein Zeugnis abgeben, nur der Heilige Geist ermöglicht Zeugnis abzugeben! Um von Gott zu sprechen, bedarf es Kraft von Oben.
Zuletzt versprach Jesus, dass er wiederkommen wird. Bis jetzt leben und hoffen wir auf dieses Widerkommen Jesus und das heutige Fest der Christi Himmelfahrt verweist auf diese Wiederkunft Jesu. Zwar ist Jesus zu seinem Vater hinauf gegangen, doch lässt er uns nicht als Waisen zurück. Die Zeit nach der Himmelfahrt Jesu ist auch die Zeit der Kirche, als Ort des Gebetes und der Begegnung mit Mitchristen im Abendmahl. Wir begegnen ihm immer, wenn wir am Tisch des Herrn das Abendmahl halten, in den Sakramenten, in seinen Frohen Botschaften, in der Bibel, sowie wenn wir die Nächstenliebe konkret praktizieren. Die Leerstelle des Christi Himmelfahrt zeigt uns das Bewusstsein, dass wir bis zur Wiederkunft immer unterwegs sein werden. Es ist beruhigend, dass er uns nicht alleine lässt, sondern mit uns geht im Heiligen Geist… Amen.
7. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 17. Mai 2026
Das Abschiedsgebet Jesu – und die Verantwortung (Jon 17, 177)
Liebe Mitchristen,
Wer das Abschiedsgebet Jesu hört, wird von den Worten berührt, denn es wirkt faszinierend und ehrfurchterweckend. Zugegeben, es ist einiges befremdendes darin enthalten. Heute kann man auch fragen, was dieses Abschiedsgebet Jesu sagen will? Zugegeben, es handelt sich um das Gebet Jesu zu seinem Vater, zugleich kann man es als sein Testament verstehen. Es ist nicht sein Testament im klassischen Stil, denn Jesus hat keine Hypotheken und Erben hinterlassen, welches seine Jünger untereinander verteilen sollen und das es zu Regeln gilt. Er hat ihnen eher ein spirituelles Erbe hinterlassen, seinen Willen, seine Botschaft, weiterzugeben.
In seinem Gebet hören wir seine Sorgen und seine Anliegen, welche ihn kurz vor seinem Tod beschäftigen. Es handelt sich um seine Sorgen und die damit verbundene Sendung, seinen Auftrag in dieser Welt und nicht zuletzt um die Menschen, die ihm nahestanden. So sagt er «Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir (Jon 17,19)». Vergessen wir nicht die Umstände seines Gebetes. Er steht vor dem Tod am Kreuz, diesen Weg nimmt er nun an, deutet ihn und will sich vergewissern, im Sinne und im Namen Gottes gehandelt zu haben. Vor allem sorgt er sich um die Seinen, um die Menschen, die ihm folgen und ihm von Gott, seinem Vater, anvertraut sind. Das sind seine Jüngerinnen und Jünger und alle Menschen, die Gott am Herzen liegen. Jesus ist wie ein Vater, der seine Familie verlässt, wahrscheinlich durch den Tod und seine Sorgen und Anliegen zu dem Schöpfer formuliert, aber auch zu denen, die ihm wichtig waren.
Was lernen wir aus dem Gebet Jesu? Und was lässt sich davon heute an uns übertragen? Zunächst ist es das Thema Verantwortung und der Umgang damit. Was passiert, wenn wir plötzlich unterbrochen werden und das nicht mehr selber abschliessen, was wir begonnen haben? Viele kennen das Gefühl, alles mit den eigenen Händen getan zu haben und in diesem Moment wird ihnen alles aus der Hand genommen! Es mag eine Aufgabe sein, welche nun zu gross geworden ist, sei es, weil bestimmte Schwierigkeiten aufgetaucht sind, welche man nicht mehr lösen kann, oder keinen Einfluss mehr hat. Vielleicht hat die Krankheit oder gar der bevorstehe Tod ihnen den Strich durch die Rechnung gemacht und ist dazwischen gekommen, was den Abschluss dieses grossen Projekts nicht mehr zu Ende bringen lässt. Nun werden wir unterbrochen und müssen Abschied nehmen von einer wichtigen Aufgabe und von lieben Menschen.
In dem Abschiedsgebet Jesu nehmen wir auch einen gereiften Glauben wahr. Jesus nimmt darin Verantwortung wahr und ernst. Wir hören wie er seine Aufgabe vom Vater erledigt hat. Die Verantwortung, welche er übernehmen musste, deutet auch auf die Beziehung zu Gott hin und wie stark diese Verbundenheit mit Gott war und ist. Mit Gott verbunden zu sein bedeutet auch, für den anderen offen zu sein, seine Sorgen und Ängste ernst zu nehmen, aber auch ins Gebet einzuschliessen.
Wir hören auch was zur Erfüllung einer solchen Verantwortung wichtig ist, nämlich das Vertrauen zu Gott aufzubauen und diese zu pflegen. Das was Gott sich zu eigen macht, was uns wichtig ist, dass er das Seine uns anvertraut hat. In den Worten des Johannesevangeliums sagt er es, «Alles was mein ist, und was dein ist, ist mein (Jon 10,10)». Es ist eine geteilte Verantwortung an Gott selber und an uns und dies entlastet. Für Menschen, die in der Seelsorge arbeiten und für freiwillige Helfer ist dieser Aspekt sehr wichtig. Denn dort, wo vieles zu überwältigen droht, ist dies ein bestärkender Zuspruch. Zwar werden Christen einen Teil der Sorge um die Ereignisse und Turbulenzen unserer Zeit tragen müssen, jedoch sind sie nicht die alleinigen Retter der Welt. Für viele Freiwilligen, die ihre Motivation aus dem Glauben herausziehen und am Ort wirken, wo die Nöte der Menschen stark spürbar sind. Allein die christliche Präsenz macht den Unterschied schon, etwa bei der Bahnhofsmission und ähnlichen Einrichtungen der Kirche.
Sicherlich tragen sie heute in ihren Wirkungsort ihre christliche Verantwortung und mein Gebet ist auch dabei. Möge das Abschiedsgebet Jesus uns alle Kraft und Mut verleihen, trotz aller Herausforderungen, welche damit verbunden sind. Wir sind nicht allein und tragen die Verantwortung nicht allein, auch Gott hat seinen Anteil dazu… Amen.