Pfungen 26. April 2026
4. Ostersonntag im Jahreskreis A, Pfungen, 26. April 2026
Ich bin die Tür zu den Schafen (Jon 10.7).
Liebe Mitchristen,
Den Begriff „Türen“ kennen wir sehr gut, denn täglich öffnen und schliessen wir Türen mehrere Male am Tag – die Zimmertür, die Wohnungstür, die Haustür, die Bürotür, die Geschäftstür und viele weitere Türen. Persönlich sagen mir die Türen mit ihrer Gestaltung und Dekoration sehr viel über den Eigentümer aus. Manche sind wuchtig und hart, als wollen sie sagen, hier ist mein Castle, bleibt draussen. Andere sind leichtfüssig oder filigran und lassen viel Licht rein. Sie sagen uns, warte einen Moment. Ich bin gleich da! Wer durch die Tür kommt hat ein Recht, das dahinterliegende Haus oder Zimmer zu betreten. Nur Diebe kommen nicht durch die Tür. Entweder sind die Türen zu bestimmten Zeiten offen oder werden uns geöffnet oder wir haben selber einen Schlüssel dafür. So wissen wir, dass wir dort willkommen sind. Selbst wenn Kinder aus dem Elternhaus ausziehen, besitzen sie weiterhin den Schlüssel zum Elternhaus. Damit drückt man aus, die Kinder sind zu jeder Zeit darin willkommen.
Manchmal stehen wir vor verschlossenen Türen und viele haben schon solch eine Erfahrung selber gemacht. Sie haben sich beeilt bei einer Behörde rechtzeitig einzutreffen. Doch als sie gerade eintreffen, sind die Öffnungszeiten zu Ende. Pech gehabt! Oder sie müssen dringend etwas bei einem Kaufhaus besorgen und als sie gerade ankommen, brennen zwar die Lichter noch, doch die Türen sind verschlossen! In der menschlichen Beziehung kann man auch vor verschlossener Tür stehen. Das ist der Fall, wenn etwa der andere nicht mehr mit uns reden will, weil ein böses Wort gefallen ist oder man im Streit ist. So etwas tut weh und kann einen wütend machen. Wenn so eine Tür einmal zu ist, besonders wo sie zuvor gute Freunde waren und einander sehr gut verstanden haben, kann man sich nur dem Schicksal fügen, wenn alle anderen Versuche gescheitert sind!
Eine Tür steht für eine Grenze. Sie teilt den Raum auf und markiert, wo drinnen und draussen ist, wo privat oder öffentlich ist, wo heilig oder profan ist. Türen schützen die Räume und verhindern, dass jemand einfach unerlaubt Zutritt bekommt. Grundsätzlich müssen wir bei einer Tür anklopfen oder läuten, wenn wir keinen Schlüssel dazu haben. So wird drinnen dann jemand entscheiden, ob wir hereingelassen werden oder nicht.
Im heutigen Johannesevangelium bezeichnet Jesus sich selbst als eine Tür. So ist Jesus die Grenze, aber auch der Zugang zu seiner Herde. Er ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen uns und seinem Vater. Auch klopft er offenbar an unsere Türen und hofft, dass wir ihm aufmachen werden, genauso wie die Tür zu seinem Herzen uns jeder Zeit offensteht. Bei ihm aber sind wir gut aufgeboben und in Sicherheit, weil er der gute Hirte ist. Wer durch die Jesus-Tür hineingeht, der wird gerettet. Heute hören wir auch, dass es offensichtlich andere Menschen gibt, die versuchen, Zugang zu seiner Herde zu erlangen. Sie sind Diebe und haben das Wohl der Schafe nicht im Sinn, da sie nur täuschen und den Tod der Schafe wollen. In der Regel erkennen die Schafe die Stimme Jesu, er ruft sie beim Namen und sie folgen ihm. Heute, angesichts von künstlicher Intelligenz, sind die Gläubigen nicht mehr so sicher, denn manche Scharlatane können die Stimme Jesu imitieren und tun, als wären sie Jesus selber. Dann wird es zunehmend schwieriger, die richtige Stimme Jesu zu erkennen und ihm zu folgen.
Beten wir an diesem Sonntag, dass wir den Schlüssel und den Zugang zu Jesus und seinem Vater haben und durch seine Worte und Sakramente zu ihm gelangen. Er möge uns öffnen, wenn wir an seiner Tür anklopfen. Jesus schenke uns die Gnade, seine Stimme unter vielen anderen Stimmen herauszuhören und somit ihm, dem wahren Gott und wahrem Mensch, zu folgen… Amen.