Pfungen 4.u. 5. April 2026
Osternacht im Jahreskreis A, Pfungen, 4. April 2026
Fürchte dich nicht (Mt 28,5)
Liebe Mitchristen,
Die Dynamik aller biblischen Texte der Osternacht bewegt sich symbolisch zwischen den Polen der Finsternis von Furcht, sowie Angst und des Lichtes. In allem menschlichen Leben, über alle Grenzen hinweg, ist das Erleben von Phasen der Dunkelheit zu Phasen des Lichtes sehr prägend. Schon am Anfang dieses Gottesdienstes gingen wir von der Dunkelheit und bewegten uns mit der Osterkerze und damit mit Christus, in das Licht der Auferstehung. Die biblischen Texte dieser Nacht berichteten von vielen Lebenswirklichkeiten, welche den Menschen bedrohen. Darin vernehmen wir Erfahrungen von Härte, Neid, Zweifel, Furcht, Zorn und Unglauben und da besteht die Gefahr zur Erkrankung und Zerstörung.
Wir hören, wie die Ägypter die Hebräer ausbeuteten, sie unterdrückten und ihnen ihre Lebensperspektive nahmen. Wir hören, wie Menschen sich von ihrem Umfeld entfremden durch falsche Werte, welchen sie nachgehen und damit sich selber verlieren. Wir hören, wie Menschen sich voneinander abwenden und nicht mehr lieben. Wir hören davon, wie Werte, wie Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit, durch Machthunger und Egoismus ersetzt werden. All das sind konkrete Schilderungen von Finsternis und Ausweglosigkeit. In jeder Phase, wo die Finsternis uns einholt, wo wir orientierungslos oder verunsichert sind, verloren und uns überfordert fühlen, hoffen wir auf Lichtmomente, auf Klarheit, welche den nächsten Schritt und den Weg erleuchten. Wir sehnen uns nach einem Moment, wo ein Stern vom Himmel fällt, sei es als Geist oder in menschlicher Gestalt und uns das Licht zeigt.
Wir haben dort Lichterfahrungen, wo ich selbst offen für die Hände Gottes bin und Lichtblicke zulasse und mich heilsam berühren lasse. Eigentlich sind Lebewesen, die Menschen, die Natur, das Wasser, das Grüne, Freunde und Glaubenszeugen wie Lichtblicke, die mir das Gefühl von Ostern vermitteln. Die Erfahrung des Lichtes ist dort erlebbar, wo Menschen an mich glauben und mich schätzen, wo ich mich geliebt fühle, wo Menschen mich unterstützen und fördern, dort wo ich getragen werde, jemand mir ermutigt zuspricht, wo ich sonst verzweifelt und müde bin.
Ostern geschieht dort, wo jemand die Stimme erhebt gegen die Unterdrückung und wo andere ausgestossen und entwürdigt werden. Ostern ist erlebbar, wo Menschen wie der barmherzige Vater alle ins Boot holt und als Brückenbauer wirkt. Ostern ist, wo Menschen wie Maria von Magdala uns alle zur Nachfolge ruft und nie die Angst vor der Finsternis zulässt. Die Osterbotschaft ruft uns auf, das Böse durch die Kraft der Liebe zu überwinden, die Gräber mit Leben zu füllen und den Tod zu überwinden. Die Osterbotschaft ermutigt uns, nicht ohnmächtig und ängstlich in der Dunkelheit zu stecken, sondern dem Leben zu trauen, dass es mit dem Licht Christi erfüllt werden kann. Wir lernen an diesem Abend, dass die Dunkelheit auch ein Lernort des Glaubens sein kann, eine Ruhephase ist, um Kräfte zu sammeln, damit ich mich neu orientieren kann. Christus zeigt uns, dass wir nicht in der Lähmung der Dunkelheit liegen bleiben sollen, sondern darin unsere Kräfte bündeln sollen, um einen neuen Anfang zu wagen.
Ostern lädt uns ein, uns aus den Gefangenschaften des Lebens befreien zu lassen, sich aufrichten zu lassen, sich ins Leben rufen zu lassen und von Gott lieben zu lassen. In der Osternacht ruft Jesus uns alle, ihm auf den Weg der Auferstehung zu folgen. Er sagt uns, ich bin auferstanden, stehe selber auf, fühle die Liebe Gottes an uns Menschen und gebe diese weiter an andere. Nur so können sie auch von der Finsternis ins Licht und zur Auferstehung gelangen. Gott, schenke unserem müde gewordenen Glauben Kraft und Feuer… Amen.
Ostersonntag im Jahreskreis A, Pfungen 5. April 2026
Er sah und glaubte (Jon 20,8)
Liebe Mitchristen,
Oft hören wir von Menschen, die wir gerne haben und lieben, sagen: «du fehlst mir». Fehlt ihnen jemand am Ostermorgen? Dort, wo nichts fehlt, ist kein Osterglaube möglich! Maria von Magdala fehlt der Freund. Sie vermisst ihn unendlich, so sehr, dass sie das Grab nie verlassen hätte und wäre immer, immer wieder hierhergekommen, um ihren Freund zu besuchen. Heute, am Ostermorgen lesen wir von Maria von Magdala und wie sie sehr früh zum Grab ging. Dazu noch Johannes und Petrus. Solch eine Erzählung darf uns nicht hinwegtäuschen von der schrecklichen Erfahrung, die Maria und die Jünger Jesu gemacht haben. Ostern war für sie eine Geschichte der Krise. Zuerst haben sie Jesus auf Golgota oder am Kreuz verloren und jetzt ist sein Grab noch leer geworden! Nicht nur ist Jesus tot, er ist nicht mal als Toter da zu finden, denn sein Leichnam ist weg!
Was treibt eine Frau allein ganz früh, sich auf den Weg zu machen, um ihren Herrn zu besuchen? Also als sie ihre Angst überwunden hat und sich auf den Weg machte, wie schlimm ist es für sie, als sie sein Grab leer fand. Nicht mal im Tode darf man um den Verstobenen trauern! Heute ahnen sie, wie schrecklich es ist für Angehörige, wenn das Grab einfach aufgehoben wird, schlimmer noch wenn sie nicht rechtzeitig informiert werden. Grab ist ein Ort der Trauer und Trauerbewältigung und wenn das Grab aufgeboben wird, dann fehlt ihnen ein Ort des Besuches und des Trauerns, wo sie ihre Verbundenheit durch Blumen ablegen oder Kerzen anzünden vollziehen können. So verstehen wir Maria von Magdala sehr, als sie in ihr Erschrecken hinein sagte: «Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiss nicht, wohin sie ihn gelegt haben» (Jon 20, 13).
An sich war sie sehr verwirrt. In der damaligen Welt war das Zeugnis einer Frau ungültig und wertlos, das könnte erklären, warum Petrus und Johannes sich entschlossen haben, selber nachzusehen, ob das Geschwätz der Frau wirklich wahr ist oder nicht. Wir stellen fest, dass Ostern für die Anhänger und Freunde von Jesus kein freudiges Fest ist, kein Grund, Osterhasen zu suchen, nicht einmal die Ostereier! Ostern war für sie ein Schock, ein leeres Grab, nicht mal im Tod bleibt er ihnen erhalten.
Etwas ist auch besonders mit Ostern. Ostern ist im Grunde genommen eine Gruft ohne Inhalt. Das ist der Gründungsort unseres Glaubens! Der Jesuit Michel de Certeau spricht am Beginn des Christentums vom «gründenden Bruch». Was meint er damit? Maria von Magdala hat nichts in der Hand, ja ein leeres Grab und ein fehlender Leichnam. Dazu den Hinweis «Halte mich nicht fest – aber geh zu meinen Brüdern». Sie hat keinen Beweis für all das. Es ist nur Gerede und ein leeres Grab, mehr nicht. Zu sagen, sie hat den Herrn gesehen, kann von anderen anders gedeutet werden. Als eine Verwechslung, ein Grabraub hat stattgefunden, eine Täuschung, eine Halluzination, es kann eine Art Traumaverarbeitung Marias sein! Selbst wenn jemand heute zu uns sagt, «Ich habe den Herrn in meinem Leben erfahren, würden viele fragen, Bist du sicher?
Wie kommt man dann zum Glauben an die Auferstehung Jesu? Wie man zum Glauben kommt, sehen wir heute deutlich in der Erzählung von Petrus und Johannes, den Jünger, den Jesus liebte. Kraft der Liebe, Kraft der Verbundenheit mit Jesus, eröffnet er uns den Zugang zur Auferstehung. Es war die Liebe, welche Maria von Magdala sehr früh unterwegs sein lässt, und zwar entgegen aller Gefahren, welche auf der Strasse für sie lauern. Weil Jesus ihr fehlt, bekam sie die Kraft, keine Angst zu haben und Jesus auf dem Friedhof alleine aufzusuchen. Auch als Petrus und Johannes das leere Grab fanden, war die Erfahrung fast gleich und die Fakten sprechen für sich. Von Beiden war es nur Johannes, der kam, sah und glaubte! Petrus bliebt verwirrt und kam noch nicht zum Glauben.
Beten wir heute an Ostern, dass unsere Beziehung zu Gott so stark wird, dass Jesus in unserem Leben fehlt und wir nach ihm suchen. Er möge uns, wie Maria von Magdala, sanft beim Namen rufen, damit die Augen unseres Glaubens an die Auferstehung aufgehen. An Ostern erleben wir die gegenseitige Stärkung der Freunde und Jünger Jesus. Mögen wir wieder zu Nachfolger Christi werden, die einander im Glauben stärken. Nur so können wir wie Maria von Magdala zum Zeugnis befähigt werden, selbst dort, wo wir die Auferstehung wissenschaftlich nicht beweisen können… Amen.