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Palmsonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 29. März 2026

Palmsonntag im Jahreskreis A, Pfungen 29. März 2026

Die Passion als Spiegel (Mt 26, 14-27,66)

Liebe Mitchristen,

Schauen wir die Passion heute mit den Gedanken von Thomas Neuberger an. Für ihn ist die Passion wie ein Spiegel. Wenn man in einen Spiegel schaut, sieht man nicht nur, was man gerne sehen möchte. Ein Spiegel zeigt ehrlich und ohne Beschönigung, manchmal auch schonungslos. Die Leidensgeschichte Jesu ist wie ein Spiegel. Sie zeigt uns nicht nur was damals geschah, sondern sie spiegelt auch unser eigenes Leben und unsere Möglichkeiten und Abgründe. Schonungslos deckt er auf, was Menschen tun und wie Menschen sein können.

Schauen wir auf die Gesichter die uns begegnen: Da ist der Judas. Er verrät seinen Meister vielleicht, weil er ein anderes Interesse hat, wegen Geld oder Enttäuschung oder weil seine Bitterkeit stärker ist als seine Treue. Da ist Petrus. Er schwor voller Liebe: «Ich bleibe bei dir» und wenige Stunden später sagt er dreimal «Ich kenne ihn nicht». Da ist Pilatus, der spürt genau was richtig ist, doch wegen Angst und Sorge vor seiner Karriere gibt er dem Druck nach. Da sind die Soldaten, sie schlagen, spotten und lachen ihn aus und merken gar nicht wie sie damit einem Menschen Weh und Gewalt antun. Diese Gesichter sind nicht nur Gestalten einer längst vergangenen Geschichte, nein sie sind Spiegel unserer eigenen Möglichkeiten. Verrat – wer von uns kennt solche Situationen nicht, in denen wir einen Menschen im Stich lassen oder selber verlassen wurden? Verleugnung – wer hat nicht schon einmal geschwiegen, obwohl er das Wort hätte ergreifen sollen? Feigheit – wie oft lassen wir das Richtige, weil es uns unbequem wäre? Gleichgültigkeit – wie leicht übersehen wir das Leid anderer, manchmal fast ohne es zu merken?

Und mitten in all diesen Gesichtern, sehen wir das Gesicht von Jesu. Es ist anders. Er schweigt, wo Hass schreit. Er betet, wo die Angst ihn erdrückt, «Mein Vater, nicht was ich will, sondern dein Wille geschehe». Er erträgt die Gewalt, ohne zurückzuschlagen. Er stirbt – und gerade in diesem Sterben zeigt er uns: So weit geht die Liebe Gottes. Das Kreuz ist kein Unfall, keine tragische Verwirrung der Geschichte. Es ist die Konsequenz eines Lebens, das ganz für Gott und ganz für die Menschen gelebt wurde. Jesus geht den Weg der Liebe bis zum Ende, auch wenn es ihn das Leben kostete. Darum ist die Passion nicht nur eine Erzählung von damals. Sie ist eine Geschichte die auch heute gilt und sie erzählt von uns. Wo wir Anderen Unrecht tun, zeigt sie uns, wie verletzlich die Liebe ist. Wo wir selbst leiden, zeigt sie uns, dass Gott nicht fern bleibt. Wo wir meinen, wir sind alleine, zeigt sie uns: Christus ist schon da – im Dunkeln, im Schmerz, in der Gottverlassenheit.

Vielleicht ist das die schwerste, aber auch die tröstlichste Botschaft der Passion Christi: Gott bleibt. Er läuft nicht davon, wenn es dunkel wird. Er hält uns bis in den Tod. Und so wird das Kreuz zum Zeichen, dass es keinen Abgrund gibt, in den Gott nicht mitgeht. So ist die Passion keine Geschichte, welche uns niederdrücken will. Sie ist vielmehr eine Einladung, genauer hinzuschauen. Schonungslos. So dürfen wir uns heute fragen: In welchem Gesicht finde ich mich wieder? Was hält mir dieser Spiegel vor? Und zugleich dürfen wir darauf vertrauen: Im Gesicht Jesu leuchtet die Treue Gottes. Eine Treue, die stärker ist als Schuld, stärker als Angst, stärker als der Tod… Amen.


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