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Allerheiligen Sonntag im Jahreskreis C,

Pfungen 1. November 2025

Allerheiligen 1. November 2025

Selig die Barmherzigen; denn sie werden erbarmen finden (Mt 5,7)

Liebe Mitchristen,

Immer wieder erleben wir als Katholiken eine grosse Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom, wenn Menschen von dem jeweiligen Papst heiliggesprochen werden. Jetzt, am Fest Allerheiligen hören wir auch, dass dieses Fest nicht nur um die offiziell gesprochenen Heiligen handelt, sondern auch von Menschen, die gut und biblisch als Heilige bezeichnet werden können. Und so entsteht die Frage, was muss man machen, um zu den offiziellen, kanonisierten Heiligen der Kirche zu gehören? Im Grunde hat die Kirche die Regelungen dazu säuberlich aufgestellt. Dies können wir in der Instruktion Sanctorum Mater aus dem Jahr 2007 nachlesen. So gibt es zwei Kriterien, welche man erfüllen muss, um dem Kalender der Heiligen anzugehören.

Erstens ist das Erleiden eines Martyriums. Dieses Kriterium ist heute sehr umstritten, zumal man nicht bewusst sein Leben in Gefahr setzt, damit er/sie ein Martyrium erleiden soll. Mit Verdacht auf Verherrlichung des Leidens. So war es bei dem Gesuch und beinahe provoziertem Martyrium des Kapuziner Fidelis von Sigmaringen, das immer eine Frage aufwirft.

Der zweite Zugang zu der Heiligsprechung ist der Nachweis eines Lebens, das die christliche Tugend bis zu einem «heroischen Grad» verwirklicht hat, was zudem durch mindestens zwei Wunder unterstrichen werden muss. So heisst es «Das Selig- und Heiligsprechungsverfahren betrifft einen katholischen Gläubigen, der während seines Lebens, seines Todes und nach dem Tod im Ruf der Heiligkeit stand und steht, indem er auf heroische Weise alle christlichen Tugenden lebte». Wir dürfen hier an Menschen denken, die es in ihrer Glaubensstärke, in ihrer Hoffnungskraft und in ihrer Liebesfähigkeit fast übermenschlich weit gebracht haben. Problematisch ist nur der Begriff «heroischer Grad», wie soll man das verstehen? Das klingt nach einer enormen Leistung und einer grossen Anstrengung! Bis vor kurzem waren diese beiden Kriterien die Voraussetzungen für eine Heiligsprechung.

Papst Franziskus hat dann im Jahre 2017 eine weitere Voraussetzung aufgestellt. So müssen nicht nur das Martyrium und ein heroisches Tugendleben die Grundlage für eine Heiligsprechung sein, sondern noch etwas Drittes kommt hinzu, nämlich die «Lebenshingabe» für die anderen. Der verstorbene Papst bezieht sich dabei auf den Vers aus dem Johannesevangelium: «Es gibt keine grössere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt (Jon 15,13). Wir denken dabei an Menschen, die zwar kein Martyrium erlitten haben, aber sich doch unter Lebensgefahr und bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte für andere eingesetzt haben. So denken wir an den Belgier Damian de Veuster, der sich bei der Pflege von Leprakranken auf der hawaiianischen Insel Molokai selbst infizierte und daran starb. Aber auch die aus Hessen stammte Marianne Cope, die auf der gleichen Insel arbeitete. Sie starb zwar auf natürlichem Weg mit 80 Jahren, pflegte aber sowohl die Leprakranken als auch den erkrankten Damian de Veuster. So hat Papst Franziskus einen neuen Weg eröffnet zur Heiligsprechung.

Dieser 3. Weg ist uns heute näher als die anderen zwei zuvor. Dieser Weg der Liebenshingabe ist sicherlich ein Weg, welcher am ehesten unseren Lebensverhältnissen von heute übersetzet werden kann. Hier haben wir mit Menschen zu tun, die sich Tag und Nacht dort einsetzen, wo es zum Wohl der anderen Menschen geht, sei es in der Pflege der Eltern, Hilfe für die eigenen Kinder oder für die bedürftigen Menschen ausserhalb unseres Kreises. Es handelt sich um Menschen, die nicht die Stunden zählen, welche sie in ihre eigene Freizeit investieren könnten, sondern sich für das Wohl anderer engagieren. Ein solches Engagement macht den anderen Freude, tröstet und stärkt sie im Glauben. Es bedeutet hier nicht, dass man heilig wird, sondern durch sein Engagement für andere heilsam wirkt. Bei diesem dritten Weg ist es nicht wichtig, ob ich offiziell zu Ehren der gesprochenen Heiligen zählen werde. Das Ziel ist eher, dazu beitragen damit es Menschen, ja der Welt, heilsam geht… Amen.