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20. Sonntag im Jahreskreis C,

Pfungen 17. August 2025

20. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 17. August 2025

…nein, nicht Frieden sondern Spaltung (Lk 12,51)

Liebe Mitchristen,

Für Menschen, die harmoniebedürftig sind und mit allen im Frieden leben wollen, ist das heutige Evangelium eine harte Kost, eine kalte Dusche! Am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, aber auch in der Familie bemüht man sich miteinander in Frieden auszukommen. Man bemüht sich so sehr, zu allen lieb zu sein und mit allen auszukommen. Das kann schon auch ein Kindheitswunsch von solchen Menschen und ihrer Haltung sein, welcher im realen Leben oft schnell an deren Grenzen stösst. Für solche Menschen sind Konflikte auszuhalten oder gar mit Konflikten zu leben eine sehr kraftraubende Angelegenheit und mühsam.

Jesus möchte hier das Feuer auf der Erde brennen lassen und dies muss nicht unbedingt schlecht sein. Feuer hat einige Bedeutung. Feuer muss nicht nur ein Bild der Zerstörung und Gewalt hervorrufen, sondern es kann neue Energie und Veränderung bringen, Feuer wärmt und spendet Licht. Jesus ist bestimmt froh und er würde sich wünschen, dass ein Feuer für sein Evangelium in uns schon heftig brennen würde. Im Sinne des Gerichtes soll das Feuer auch Reinigungskraft haben. Es ist die Lebenskraft Gottes, welche alles weg schmilzt, was uns von Gott trennt. Ein solches Feuer würde uns aufrichten und hilft uns, für Gerechtigkeit zu sorgen, dort wo wir Betätigungsfeld haben. Dazu versteht man mit dem Feuer auch die Art Taufe, wie Christus getauft wurde, nämlich eine Bluttaufe, welche er am Kreuz vollzogen hat.

Dann kommt der schwierigste Teil des Evangeliums von heute, wo es heisst: «Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden in die Welt zu bringen? Nein, nicht Frieden sondern Spaltung» Lk 12, 51). Jesus, den wir sonst als Fürst des Friedens kennen, bringt nun Spaltung, Zwietracht und Entzweiung! Ist es das, was uns die Beziehung mit Jesus bringen wird, nämlich einen Riss und Zwietracht in allen sozialen Gefügen und einen Generationenkonflikt, welche das Familienband sprengen lässt? Doch Jesus meint es sehr ernst mit seiner Aussage hier heute! Gott ist doch offenbar kein harmloser Kuschelgott und Jesus kein Kumpel von nebenan, denn die Freundschaft mit ihm fordert eine Entscheidung von uns. Als Christen müssen wir die Frage stellen: Was gilt in meinem Leben? Was ist für mich wichtig geworden? Wem will ich folgen? So ist jeder, der ihm nachfolgen will mit der Situation konfrontiert, irgendwann eine Entscheidung zu treffen. Denn wie heisst es damals bei seiner Geburt: Jesus ist «das Zeichen, welchem widersprochen wird (Lk 2.34)». Jeder Christ der sich zu dieser Entscheidung entschlossen hat, der kann durchaus den Bruch mit der Familie, Freunden, Verbündeten erleben. Das Alte zählt nicht mehr und an seine Stelle tritt etwas Neues hervor. Das kann nicht nur eine schmerzhafte Erfahrung bringen, es kann auch zuletzt befreiend wirken!

Es besteht aber auch die Gefahr, in der Aufforderung Jesus alles daranzusetzen, um im Konflikt zu leben. Bestimmt kennen sie auch Menschen, Freunde, Nachbarn, die Konflikte, Spaltungen und Zwietracht als Kleidung tragen! Sie schwimmen darin und lassen keine Gelegenheit aus, sich in den Konflikten zu entwickeln. Das heutige Evangelium warnt uns vor der Realität der Blindheit, aber auch gegen Lauheit und Indifferenz. Eher ermutigt es uns zur Klarheit, Entschiedenheit, ohne sich in der Angst zu versinken. Auch wenn wir am Anfang unserer Predigt mache Menschen als harmoniebedürftig bezeichnen, so lädt uns das Evangelium ein, den Kindheitsglauben abzulegen, den Dingen realistisch in die Augen zu schauen. Im Leben lassen sich manche Konflikte nicht vermeiden und wir werden gebeten, dann eine klare Entscheidung zu treffen.

Beten und hoffen wir, dass in solchen Situationen der Heilige Geist auch in uns das Feuer der Gottessehnsucht entfachten wird, dass wir sagen können «Wie froh wäre ich, es würde schon brennen» … Amen.