Pfungen 2-3. April 2026
Gründonnerstag im Jahreskreis A, Pfungen, 2. April 2026
Begreift ihr, was ich an euch getan habe (Jon 13, 12)
Liebe Mitchristen,
Immer wieder hören und oder lesen wir von Menschen, die im Angesicht von schwerer Krankheit oder bevorstehendem Tod, noch einen Wunsch erfüllt haben wollen. Vielleicht ist es mal, wieder an einen wichtigen Ort ihres Lebens gebracht zu werden, oder in ein Stadion wo sie gerne Fussball geschaut haben, oder mit ihrer Familie einen Ausflug an einen besonderen Ort ihres Lebens zurückzukehren. Vor einem Jahr wollte ein schwerkrankes Mitglied unserer Pfarrei noch vor dem Weihnachtsbaum mit seiner Familie zusammen beten, als ahnte er, es wäre seine letzte Gelegenheit. Solche Wünsche sind eine letzte Sehnsucht des Menschen. Was wir feststellen können ist, dass der Mensch in solchen Momenten des Lebens nur mit Menschen zusammen ist, die ihm wichtig sind und er gibt meistens seinen letzten Willen bekannt. Es kann auch sein, was solche Menschen in seinem Namen noch als Zeichen setzen sollen.
Jesus wollte eigentlich nur das Fest der Juden, das Paschamahl feiern. Das ist das Fest der Befreiung Israels aus Ägypten, also eine Befreiung von der Sklaverei. Jesus setzte angesichts seiner bevorstehenden Kreuzigung ein Zeichen der Verbundenheit, der Gemeinschaft und der Liebe. Er, als ihr Meister, stand vor dem Mahl auf und begann die Füsse seiner Jünger zu waschen! Wohlgemerkt ist dieser Dienst die Aufgabe von Sklaven und niemals der Dienst von einem Meister an seinem Lehrling! Bis heute ist dieser Dienst nicht gerne gesehen. Die Erwachsenen möchten nicht, dass man ihnen die Füsse wäscht, vielleicht weil sie sich schämen oder den Sklavendienst nicht an ihren Füssen sehen wollen. Kinder sind es, die sich mutig zur Verfügung stellen und somit der Pfarrei ermöglichen, dieses wichtige Zeichen der Leibe Jesu zu vollziehen.
Auch angesichts der Missbrauchsvorwürfe in der Kirche ist jede Berührung nicht ohne. Dies macht die ganze Sache nicht leicht und verlangt Fingerspitzengefühl bei diesem Vorgehen! Man merkt, wie wir dadurch zum Klub der Unberührbaren geworden sind, dabei werden eigentlich so alle Sakramente an Menschen gespendet und zwar durch Berührung! Jesus fragt seine Apostel, ob sie begreifen, was er an ihnen getan hat? Und er fragt uns heute noch, ob wir es begriffen haben?
An sich ist Gründonnerstag voller symbolischer Handlungen, so hören wir von dem Letzten Abendmahl oder der Einsetzung der Eucharistie, welche Johannes jedoch nicht ausführlich berichtet hat, dann von Wasser und Tuch, um die Füsse der Jünger zu waschen, alles im Schatten der bevorstehenden Kreuzigung Jesus. Und wir schliessen den Abend mit der grössten Anbetung nach der Prozession zum Pfarrsaal, wo es heisst: Kannst du nicht eine Stunde mit mir beten! Jesus sagt, er habe uns ein Beispiel gegeben, damit wir einander die Füsse waschen und so einen Liebesdienst aneinander erweisen. Das ist für Johannes sehr, sehr wichtig, nämlich der Liebesdienst! Dieser Liebesdienst bedarf an sich keiner grossen Worte, denn die Symbole und Handlungen sind stärker als jede Predigt!
Jesus redete oft von «Liebt einander, wie ich euch geliebt habe». Er hat nicht gesagt, seid ein bisschen nett zueinander oder habt euch ein bisschen gern, sondern liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Diese Liebe Gottes in Jesus Christus zeigt sich deutlich durch die Fusswaschung, durch die Einsetzung der Eucharistie und nicht zuletzt durch sein Sterben am Kreuz. Wenn wir nun den Gründonnerstag miteinander feiern, dann nehmen wir Anteil am Auftrag Jesus und in seinem Liebesdienst. Sicherleich ist es nicht leicht, jemanden, der uns nicht gut gesinnt ist, zu lieben oder ihm Gutes zu tun. Sicherlich fällt uns dies oft schwer, doch das ist genau das, was Jesus von uns fordert. Jesus gibt uns die Kraft und den Mut, diesen Liebesdienst aneinander zu vollziehen… Amen.
Karfreitag im Jahreskreis A, Pfungen 3. April 2026
Das Kreuz fängt dich auf
Liebe Mitchristen,
Der Prediger Stefan Walser stellte an diesem Karfreitag die Frage: «Wo sind die Engel? Wo sind sie, jetzt, wenn man sie braucht?» (vgl Prediger Seite 283). Heute am Karfreitag ist keiner da. Kein einziger von ihnen fliegt hinauf nach Golgota. Sie sind alle ausgeflogen. Sie begleiten sonst das ganze Leben Jesu. Bei allen wichtigen Stationen seines Lebens waren sie dabei: bei der Geburt Jesu in Bethlehem ist ein ganzer Chor von Engeln zur Stelle. In den vierzig Tagen in der Wüste dienen sie ihm. Am Auferstehungsgrab sitzen die Engel mit ihren leuchtenden, weissen Gewändern. Selbst im Garten von Getsemani, am Abend vor seinem Tod, kommt ein Engel und stärkt Jesus in seiner Angst und leistet ihm Gesellschaft, schenkt ihm Gemeinschaft. Aber hier auf Golgota ist kein Flugobjekt und kein Engel in Sicht und nichts fliegt herum. Am Himmel stehen nichts als Wolken und Finsternis!
An Karfreitag fliegt nichts, aber er fängt uns auf. Jesus fliegt nicht, denn er ist festgenagelt, aber er fängt uns auf. Am Kreuz kannst du landen mit deiner Verzweiflung, mit deinem ganzen Frust, mit deiner ganzen Trauer. Zwar sagen uns die Piloten, dass Fliegen gar nicht schwer sei, jedoch das Landen schon. Sicherlich haben wir manchen hohen Flug im Leben mitgemacht, manche Hoch-Zeiten. Und wir erinnern uns auch an Lebenssituationen, wo wir ein wenig zu hoch hinauswollten und meinten, es wird leicht gehen. Aber das Leben hat seine Höhen und Tiefen und so landen wir auf der Nase, und haben quasi eine Bruchlandung. Das kann schmerzhaft sein und kann einen in die Depression bringen und der Schaden kann durchaus irreparabel sein. Wir spüren, das ist jetzt so und damit muss man weiterleben. Diese misslichen Umstände «verfliegen» nicht einfach wieder.
Es stellt sich die Frage, was fängt dich in solchen Momenten wieder auf? Zwar gibt es Menschen, oder gar Freunde, mit denen man gerade jetzt losziehen könnte und hoch hinauf steigen könnte… Aber diese geselligen Kontakte helfen in solchen Momenten nicht viel. Wir brauchen gerade keinen Freund für einen Höhenflug. Vielleicht nur einen Ort, ja einen Menschen, wo wir sein können und wo wir uns fallen lassen können. In der Passion Jesus ist vieles darin, der Verlust eines treuen Menschen, der Zusammenbruch aller Lebenspläne, fiese Intrigen, die eigene Schuld, feige Passivität, rohe Gewalt. Wer fängt all das auf?
Im Christentum wird darüber gepredigt, wie wir unser Kreuz selber tragen sollen. Aber welche Botschaft und Hoffnung hat diese Aussage? Die wichtigste Botschaft des Kreuzes ist nicht, du musst dein Kreuz selber tragen, sondern das Kreuz kann viel tragen, oder im Tragen deines Kreuzes bist du mittragend. Du bist getragen von dem Gott, der mit dir in diesem Moment nirgends hin fliegt, sondern der bei dir ausgehalten hat. Hoffen wir, dass wir in solchen Momenten glaubend in schweren Stunden wissen, dass Gott uns mitträgt. Karfreitag ist eine sehr geerdete Geschichte, ganz anders als an Ostern, wo die Engel wieder fliegen. Heute, am Kreuz, ist Jesus schon da mit uns. Vielleicht bietet das Kreuz mehr Halt als das leere Grab. Das Kreuz ist für manchen ehrlicher, er lässt dich nicht fliegen, aber er fängt dich auf. Mögen wir dieses Gefühl in jedem schweren Moment des Lebens erfahren… Amen.