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26. Sonntag im Jahreskreis C,

Pfungen 28. September 2025

26. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 28. September 20205

…stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren (Lk 16, 21)

Liebe Mitchristen,

Die Erzählung von Lazarus und dem reichen Mann ist uns allen bekannt, spätestens aus den Zeiten des Religionsunterrichts. Die Verfehlungen des reichen Mannes lagen wohl darin, dass er dem Armen, der vor seiner Türe lag, nicht wahrgenommen hat und über ihn hinweg sah. Es stellt sich die Frage, wie wir denn obdachlose Menschen und Bettler in unseren Städten sehen? Dazu eine Geschichte.  Zwei Bettler, welche Tag ein Tag aus unter einer Brücke schliefen, waren so hungrig, dass sie beschlossen hatten, entgegen der Vorschriften der Stadt, sich etwas zu Essen zu verschaffen, indem sie doch auf der Hauptstrasse in Zürich Stadt betteln gehen wollten. Sie richteten sich gut ein, nahmen ihre Hunde mit und begannen zu betteln. Eine Passantin fühlte sich sehr gestört durch ihre Anwesenheit, dass sie ihr Handy zückte und prompt die Polizei anrief. In wenigen Minuten waren die Polizisten da und führten beide Männer ab. Man will doch die Innenstadt von Bettlern und Obdachlosen freihalten, so muss man solche Menschen sofort entfernen, damit das Zentrum sauber bleibt. Wir sind doch nicht in Urlaubsländern, wo diese Bettler uns auf den Leib rücken und uns überall mit ihrer Bettelei belästigen.

Eine zweite Geschichte, betrifft ein Video, welches ich neulich erhalten habe. Es handelt sich um einen bekannten Fussballer, Cristiano Ronaldo. Er erzählte, dass er vorigen Monat einen privaten Jet kaufen wollte, welcher 60 Millionen Euro kostet. Er wollte nur, dass es seine Familie gut und angenehm hat, wenn sie zusammen unterwegs sind. Dann fällt ihm die Geschichte ein, welche seine Mutter ihm erzählt hatte als er noch klein war, als sie in Madera lebten. Sie musste 10 Kilometer zu Fuss zur Schule laufen, da es keine Transportmittel für sie gab und zwar unabhängig, ob es geregnet hat oder ob die Sonne schien. Ihr Ziel war einfach, durch die schulische Ausbildung weiterzukommen. Diese Erinnerung war sehr stark in seinem Kopf und sie zwang ihn, seine Meinung zu ändern. Anstatt einen weiteren Jet für seine Familie zu kaufen, beschloss er sich für etwas Grösseres. Er bestellte 100 Schulbusse für Kinder in den Dörfern, die noch immer viele Kilometer zu Fuss zur Schule laufen mussten. Als er dann die ersten Schulbusse bekommen hat und sah, wie diese Kinder sie lachend füllten und mit voller Freude zur Schule fuhren, war er sehr erfreut. Dazu kamen sie sicher und pünktlich zum Unterreicht. Sein Herz war so voller Freude, dass er seine Mutter anrief und ihr mitteilte, was er entschieden und bereits gemacht hatte. Seine Mama weinte und sagte, Cristiano du kannst dich noch daran erinnern, was eigentlich im Leben zählt. Denn die besten Flüge sind nicht die, welche uns über die Wolken bringen, sondern die Flüge, welche andere ihren Träumen näherbringen, zu einer besseren Ausbildung und gut zu einer besseren Zukunft. Für ihn ist diese Entscheidung mehr wert, als irgendein Jet der Welt!

Im Grunde genommen gibt diese Erzählung von Lukas einen Hinweis, dass man schnell und unaufmerksam jene übersieht, die vor unserer Tür liegen und um Brot betteln. Das Daliegen vor der Tür verlangt gewisse Menschlichkeit und Verantwortung. Man kann sich nicht herausreden und diese Verantwortung an andere abschieben. Die Augen zu verschliessen und zu behaupten, es gibt doch keine armen Menschen in der reichen Schweiz. Die Stadt kümmert sich genügend um sie. Sie können doch in einem Caritasladen Sachen billig kaufen. All das gehört zu der oben erwähnten Ausrede.

Erstaunlich ist die Entwicklung, welche der reiche Mann in unserer Geschichte gemacht hat. Plötzlich wird er doch sozial eingestellt und möchte seine 5 Brüder vor der Strafe von Untätigkeit und Kaltherzigkeit schützen. Oft ist der Hunger ganz nah an unserer Seite und wir übersehen ihn: den Hunger nach Brot, nach Liebe, nach ein wenig Zeit, nach einem guten Wort. Solchen Hunger wahrnehmen, darauf kommt es an. Dazu braucht es einen guten Sinn für das Teilen. Du bist so reich wie das Geld, die Liebe, die tröstenden Worte, welche du verschenkst. Gott öffne unsere Augen für Menschen am Rande der Gesellschaft und gibt uns die Hände, die bereit sind zu teilen… Amen.