Pfungen 21. September 2025
25. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 21. September 2025
Wir wollen … das Mass kleiner und den Preis grösser machen und die Gewichte fälschen (Amos 8.5)
Liebe Mitchristen,
Zu Weihnachten in Nigeria spielt das Land ein wenig verrückt. Viele Geschäftsleute, auch kleinere Händler, wollen gute Weihnachtsgeschäfte machen und sehr viel dabei verdienen. Zum Beispiel wissen die Fluggesellschaften genau, dass die Fahrten durch die Strassen gefährlich sind und die Menschen auf den sicheren Flugweg ausweichen, sofern sie sich dies leisten können. Nun werden die Preise schon von «Mbermonaten» an bis gegen Ende Januar massiv erhöht. Sie verlangen den fünffachen Preis, weil sie auch etwas vom Weihnachtskuchen abschneiden und ihren Profit maximieren möchten. Airpeace, eine der angesehenen Fluggesellschaften in Nigeria, verlangt derzeit für einen einfachen Flug von Lagos nach Owerri 350.000 Naira! Dieser Preis steigt uferlos höher, je näher es Richtung Dezember geht.
Eigentlich müssen wir nicht bis nach Nigeria gehen. Wir merken, wie die Verpackungen kleiner werden, die Preise jedoch konstant bleiben, wenn nicht noch höher angesetzt werden. Alle wollen durch solche Täuschungen den Käufern das Geld aus der Tasche ziehen, um reicher zu werden.
In der heutigen Ersten Lesung hören wir aus dem Propheten Amos. Der Prophet Amos lebte im 8. Jahrhundert vor Christus. Er war ein Bauer, der Schafe züchtete und Maulbeefeigen. Er kam nicht aus der Prophetenschule und hatte auch keine Bindung an den Tempelkult. So sagt man, dass er ein Laienprophet war und dies erweckte Argwohn bei den religiös Etablierten, besonders des Priesters Amazja (Am 7,10). Aus diesem Hintergrund kritisierte er die Missstände seiner Zeit, wie soziales Unrecht, Ausbeutung der Armen durch die Reichen, den überbordenden Kultbetrieb am Tempel, welche die gesellschaftlichen Ungleichheiten kaschiert. Auch politisch sah er die Rolle des Volkes Israels gegenüber ihren Nachbarn kritisch. Er prangert das ausbeuterische Verhalten derjenigen an, die nur an der Maximierung ihres Gewinns orientiert sind und somit die Anzahl der Armen im Land vergrössern. Er erinnert daran, dass die Strafe von Gott unweigerlich kommen wird. Amos äussert sich unerschrocken und klar den Missständen seiner Zeit. Kaltherzig geht es um Profitoptimierung, koste es was es wolle. Eine kühle Berechnung und purer Egoismus werden zur Messlatte ihres Verhaltens und Handeln.
Derzeit kennen wir, wie mit Druck und Zöllen die ganze Welt in die Knie gezwungen werden, wer sich nicht unterwerfen möchte und den kleinsten Widerstand leistet, der bekommt die Konsequenzen zu spüren. Die Mahnworte des Propheten Amos betreffen nicht nur die Finanzmakler, Wirtschaftsbosse und Regierungen der Welt, es geht Amos auch um den persönlichen Umgang mit den Gütern der Erde. Sobald der Mensch sich als Massstab aller Dinge nimmt, sich von Gott abwendet und einige ethnische Grundlagen vernachlässigt. Wenn sie immer mehr haben und sich auf Kosten anderer bereichern wollen. Wenn man aus egoistischen Interessen Recht und Ordnung ausser Kraft setzt, bekommen die Mahnworte des Propheten Amos eine Aktualität, auch in unseren Tagen.
In einem Land wie Nigeria, wo die Menschen allein über 70% ihres Lohns für das Essen ausgeben und alles treuer geworden ist, grenzt es an Unmenschlichkeit und der Krater der Ausbeutung ist, wenn für einen einfachen Flug sehr viel Geld ausgegeben werden muss. Eine masslose Profitmaximierung und willkürliche, alleinige Herrschaft einiger Firmen können nicht zum Wohl der Menschen sein. Ein weiterer Gedanke ist auch im Bereich der Umwelt, denn die Ausbeutung geschieht nicht nur an dem Markt, sondern auch im Umgang der Menschen mit der ihnen von Gott anvertrauten Schöpfung. Der Egoismus der Menschen spiegelt sich auch deutlich wider, besonders in dem Versuch, die Plastikzerstörung der Umwelt zu begrenzen. Komisch, dass ein Kompromiss verhindert wurde, bei dem natürlich kein Interesse daran besteht, die Umwelt zu retten, sondern nur an den Profit gedacht wird. Amos erinnert uns, wohin solche Handlungen führen, denn am Ende werden alle darunter leiden. Gott wird offensichtlich keine solchen Taten vergessen!
Beten wir darum, nachdenklich im Umgang mit dem Profitgewinn zu handeln. Lassen wir Gott das Mass unserer Handlungen sein und nicht das Geld oder der Profit, denn nichts nehmen wir mit, wenn unsere Tage zu Ende sind. Gott befreie uns von der Habgier und dem Egoismus, alles in unsere Tasche zu erwirtschaften und die Armen zu vergessen… Amen.