Pfungen 14. September 2025
24. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 14. September 2025
Und wie Mose die Schlage in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden (Jon 3, 14)
Liebe Mitchristen,
Das heutige Fest Kreuzerhöhung fällt auf einen Sonntag. Seinen Ursprung hat das Fest mit der feierlichen Weihe der Grabeskirche in Jerusalem im Jahr 335. Einen Tag danach, nämlich am 14. September, wurden dem Volk die Überreste des Kreuzes Christi gezeigt und zur Verehrung freigegeben. Seitdem feiert die Kirche diesen Tag als Fest der Kreuzerhöhung. Es stellt sich schon die Frage, warum man überhaupt Freude empfinden soll wegen einem Kreuz, ein Instrument der Folterung und Hinrichtung? Warum ist die Kreuzigung Jesu so bedeutsam, dass man dies seit über 2000 Jahren feiert? Eigentlich gab es zurzeit Jesu viele Kreuzigungen. Jesu Kreuzigung ist aber besonders, da der Gekreuzigte Gottes Sohn war. Ja der Gekreuzigte war Gott selber. Diese Aussage ist der Kern des Christlichen Glaubens.
Paulus hat uns schon darauf hingewiesen was das Kreuz für die Heiden beutet, nämlich «eine Torheit, ein Unsinn, ein Widersinn» (1 kor, 1.18). Der Evangelist Johannes geht dieser Aussage nach und zeichnet auf, was der Tod Jesu für ihn bedeutet. Eine wichtige Stelle ist das heutige Evangelium. Jesus sagt, er müsse erhöht werden, wie Mose die Schlage in der Wüste erhöht hat. Damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat. An einem anderen Ort sagt er « Und wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen (Jon 12,32)».
Das Volk Israel wurde mutlos auf dem Wüstenweg und sie rebellierten. Daraufhin wurden sie von giftigen Schlagen gebissen. Nun richtete Mose eine Kupferschlage auf eine Fahnentrage, so dass alle, die darauf schauten, geheilt wurden. Die Schlange verkörpert hier als Abbild der Strafe, die Schuld der Israeliten. Die Schlage ist gleichzeitig ein Symbol der Rettung und des Heils. Wer sie anschaut, bekennt damit seine Schuld, zeigt zu gleich seine Reue und sein Vertrauen auf Gott, der das Leben schenkt. Was die Israeliten in der Wüste erlebt haben, das geschieht auf einzigartige Weise auch im Geschick Jesu. Er ist der am Kreuz erhöhte Menschensohn. Am Kreuz verkörpert er die Schuld der Menschen, die Gottesverlassenheit, die Auflehnung der Menschen gegen Gott und seinen Gesandten. Jesu Kreuz ist zugleich das Zeichen von Heil und Rettung und die Liebe Gottes gegenüber seinen Geschöpfen. Wer zu Jesus aufschaut, der wird gerettet.
Gott rettet die Welt, weil er die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn dahingab (Jon 3, 16). Auch wenn die Welt sich gegen Gott auflehnt, bleibt sie seine Schöpfung. Gott lässt die Welt niemals fallen, auch wenn die Welt sich so sehr von ihm abwendet.
Ein weiterer Gedanke zu der Kreuzerhöhung ist die Verbindung mit der Eucharistie. Da wird das tägliche Brot und Wein im Bereich des Göttlichen erhoben. Das Brot, unsere Welt, wird in Gott hineingehalten, damit wir Gott in der Welt wieder erkennen können. Anselm Grün hat es so ausgedrückt «In den Gaben von Brot und Wein, hebt der Mensch also sein Leben, seine Sorge um die eigene Existenz, seine Aufmerksamkeit, seine Geduld, seinen Fleiss, seine Hingabe und mühsame Arbeit in Gott hinein. Dadurch wird das Leben des Menschen verwandelt, vergeistigt. Eucharistie ist das Hinhalten unserer Welt in Gott, in den Bereich, in dem sie zu ihrem wahren Wesen kommt». Diese Liebe Gottes gilt allen, vor allem die an Gott glauben. Glaube ist hier als Beziehungswort zu verstehen. Das beutet alle, die Gott ihr Vertrauen geschenkt haben, werden ewiges Leben erhalten und Rettung erlangen.
Mögen wir heute in allen Momenten des Überdrusses, der Enttäuschungen, der Ratlosigkeit und der drohenden Resignation auf Jesus, zum erhöhten Christus hochschauen. Er schenke uns Heil und Rettung, dort wo Leid, Krankheit, Gewalt und ein vergiftetes Verhältnis uns das Leben schwer macht… Amen.