Pfungen 31. August 2025
22. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 31. August 2025
Wenn du eingeladen bist, setzt dich lieber auf den untersten Platz (Lk 14, 10)
Liebe Mitchristen,
Zu dem heutigen Thema der Bescheidenheit und Sitzordnung, gibt es unterschiedliche Verhaltensmuster. Zuerst ist es eine der Regelungen, welche unseren Gottesdienstbesuchern sehr ins Herzen einverleibt ist. Bei den allgemeineren Gottesdiensten sitzen viele Gläubige eher in den hinteren Reihen. Kirchenbänke füllen sich sehr häufig von hinten. Wir gehen davon aus, dass dieses Verhalten aus einer Haltung der Bescheidenheit herrührt, die christlich motiviert und eingeübt ist. Eine Haltung, die sehr wahrscheinlich aus dem heutigen Evangelium ihren Ursprung hat. Somit kann man schon sagen, dass die Rücksichtnahme und Bescheidenheit hier doch in der Kirche funktioniert. Sie kennen sicherlich die Geschichte von dem Pfarrer, den dies sehr gestört hat. Daher hat er einfach die hintere Heizung abschaltet, damit die Gläubigen nach vorne rücken mussten!
Zum anderen kennen sie auch mindestens von früher, wo eine bestimmte Sitzordnung in der Kirche geherrscht hat. Die vornehmen Leute und Adeligen, auch Leute die hoch angesehen waren, hatten ihren Platz ganz vorne in der Kirche und ihre Namen standen sogar auf der Bank. Selbst wenn sie nicht anwesend waren, durfte niemand ihren Sitzplatz einnehmen. Vielleicht aus Reaktion zu diesem Trend gibt es bei kirchlichen Versammlungen oder Essen keine Sitzordnung. Jeder darf sitzen wo er/sie will. Im Allgemeinen gibt es eher eine Ambivalenz des Wahrnehmens zu diesen beiden oben erwähnten Trends. Auch wenn es stimmt, dass die Gläubigen eher in der hinteren Bank sitzen, gibt es aber auch Beispiele, wo dies auf das Gegenteil hinweist. Wenn es Konzerte in der Kirche gibt, dann drängen alle nach den vorderen Bänken.
In unserer Pfarrei haben wir bei der Erstkommunion oder der Firmung ein Problem wegen der Sitzordnung. Mal haben wir die vorderen Bänke für die Firmlinge und deren Eltern reserviert, danach erhielt jeder Kandidat eine Bank für seine Gäste und zwar alphabetisch. Manche Familie sah sich veranlasst zu protestieren, weil sie hinten sitzen mussten. Sie wollen vorne sitzen, mindestens auf Grund ihres Engagements in der Kirche. Um dieses böse Blut zu vermeiden, reservieren wir heute nur noch für die Kandidaten und deren Familie oder Paten. Jeder andere soll sitzen, wo er/sie Platz findet und je nach dem wie früh man in die Kirche kommt.
Aus den oben erwähnten Beispielen gibt es Zweifel, wie bescheiden die Menschen wirklich sind und ob dieses «Hinten-Sitzen» eher nicht eine oberflächliche Bescheidenheit ist. Bedenken wir noch, dass es immer ein Kampf in der Kirche gibt, wer rechts und links von Jesus sitzen soll in seinem Reich! Dazu besteht die Gefahr, dass die Bescheidenheit, welche von dem heutigen Evangelium propagiert wird, eher eine kalkulierte Bescheidenheit ist, also eine Strategie hinten zu sitzen, damit der Gastgeber dich doch noch nach vorne bittet!
Wir nehmen auch Menschen wahr, die eine besondere Aufgabe in der Kirche innehaben und völlig vergessen haben, dass sie zuerst normale Christen sind, bevor sie eine leitende Aufgabe haben. Sie haben sich zu sehr an ihre Position gewöhnt, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen können, einfach zum Gottesdienst zu gehen, ohne dass man nach vorne kommt. Es tut auch gut, einfach unter dem Volk und den Gläubigen zu sitzen, ohne ausgestellt zu werden!
Jesus lädt uns bestimmt ein, bescheiden zu sein, Bescheidenheit als eine Lebenshaltung zu nehmen, bescheiden vor Gott zu sein, weil wir vieles von ihm geschenkt bekommen. Bescheiden, da du nicht Herr über dein Leben bist oder Herrscher über die ganze Welt. Nur ein Narr vergisst, dass all das, womit man angegeben hat, eines Tages keine Bedeutung mehr haben wird; Ehre, Ruhm, Schönheit, Reichtum, Macht, Positionen, Liegenschaften, Besitz. All das vergeht! Nichts nimmst du ins Grab mit! «Je grösser du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott (Sir 3,18)».
Beten wir für den Geist der Bescheidenheit und Demut, vor allem als Grundhaltung gegenüber Gott und den Menschen, Amt und Besitz, denn der Mensch schadet sich selbst, wenn er hochmütig ist… Amen.