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21. Sonntag im Jahreskreis C,

Pfungen 24. August 2025

21. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 24. August 2025

Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden (Lk 13,23)?

Liebe Mitchristen,

Bei dieser Fragestellung gibt es im Grunde genommen zwei mögliche Überlegungen darauf. Zuerst klingt es wie in der Schule und die Fragen von manchen Schülerinnen oder Schüler bei der Rückgabe ihrer Klassenarbeit. Herr Lehrer, gibt es wenige Einsen, oder bin ich doch der Einzige? Solche Fragestellung erweckt den Eindruck als ging es hier nur um Konkurrenzdenken. Am liebsten möchte man doch hören «Ja, nur du oder nur wenige werden gerettet werden und du wirst dazu gehören!».

 Bei einem anderen Gedanken ist die Rede von Torschlusspanik. Den Zitaten «Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen» und «Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschliesst und ihr draussen steht…». Besonders die Frage «Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden» scheint eine bange Frage von einem zu sein, der sich offensichtlich nach Rettung sehnt. Vermutlich will diese Person den Himmel bestürmen – im Ringen um das, was den Menschen gerade noch rettet, bevor es ihn in den Abgrund reisst! Ich zweifle jedoch sehr, ob es den Fragenden um die Erstürmung des Himmels geht. Wir wissen es nicht ganz genau, was die Fragenden im Sinn haben. Beide Intensionen als Grund für die Fragestellung sind möglich.

Am liebsten möchte der Fragende hören «Ja es sind nur wenige die gerettet werden können, du aber wirst dabei sein!» Jesus jedoch hat eine verblüffende Antwort parat. Nein, es werden nicht weniger sein, denn sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tische sitzen, sagt Jesus. Du aber lieber Fragender, wirst nicht dabei sein. Du wirst draussen stehen und an die Tür klopfen und rufen «Herr, mach mir auf». Das Reich Gottes funktioniert nicht über religiöse oder ethnische Zugehörigkeit. Auch nicht indem man den Anderen abwertet. Gott wird hier nicht benutzt, um narzisstische Exklusivität zu befriedigen. Das Reich Gottes ist im Grunde genommen offen für alle, die hinein wollen.

Jesus hat dafür sein Leben am Kreuz hingegeben. Allerdings muss man das Ticket dazu einlösen. Es reicht nicht, sich auf Geselligkeit mit Jesus zu berufen oder Zaungast zu sein – eben mit Jesus gegessen und getrunken zu haben – sondern es verlangt Entscheidung und persönlichen Einsatz. Diese persönlichen Einsätze sind das Ticket und die enge Tür, durch welche man gehen soll, um ins Reich Gottes zu gelangen. Jesus möchte warnen, dass die Taufe oder der regelmässige Besuch des Gottesdienstes eher ungenügend wirkt, wenn man ins Reich Gottes hineingehen möchte. Paulus hat uns deutlich darauf hingewiesen, dass Glaube ohne persönliches Werk tot ist. Der Glaube muss sich in den Werken der Nächstenlieben bewähren. Selbst die Zahlung von Kirchensteuer oder die Ausübung eines bestimmten Amtes in der Kirche ist keine Garantie, dass man den Himmel bestürmen kann. Auf die innere Haltung und den täglichen Einsatz kommt es an.

Dazu könnte man die Fragestellung als ein Zeichen von Engherzigkeit verstehen, nur ich und mein Stamm, nur ein sogenanntes erwähltes Volk Gottes darf in den Himmel gelangen. Nach Jesus müssen der Glaube und die Religion den Menschen von innen her verwandeln. Dies wird nicht gemessen an einem moralisch geführtem Leben, auch nicht an vielen Versen der Bibel, die man auswendig kennt, oder an den sozialen Angeboten der Kirche, welche man besucht hat, sonst werden wir hören «Ich weiss nicht woher ihr seid». Gottesheil ist offen für alle, die es wirklich wollen und ernst nehmen, solange sie dies immer in der Praxis üben. Auch Frömmigkeit oder nicht, alles wird bemessen nach der Weitherzigkeit des Herzens. Auch die Aussage, ich war doch dabei, reicht nicht. Auch die Ellenbogenmentalität ist hier nicht hilfreich. Der Glaube muss sich im Einsatz und Verkündigen bewähren und zeigen. Jesus lädt uns ein, uns um das Gottesreich zu bemühen.

Beten wir, dass wir die Gnade Gottes dazu bekommen und somit durch die enge Tür zum Himmelreich gelangen… Amen.