1. Home
  2. |
  3. Predigt
  4. |
  5. 20. Sonntag im Jahreskreis...

20. Sonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 16. August 2026

20. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 16. August 2026

Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen ((Mt 15, 26).

Liebe Mitchristen,

Neuerlich hatte ich ein Gespräch mit einer Frau, die im September in Italien heiraten will. Sie erzählte mir, wie ihr Pfarrer sie behandelt hat. Er schaute herab auf sie und legte ihr Steine in den Weg. Oft ging sie ins Pfarrhaus, um die Hochzeitsdokumente zu erhalten. Oft wurde sie weggeschickt, oder sie durfte den Pfarrer gar nicht sehen oder vor der Tür abgefertigt. Von den Erzählungen war ich sehr überrascht, was sich ein Pfarrer dort leisten kann. Er sagte, er hätte keine Zeit und noch, sie soll schauen, dass das Taufzeugnis und andere Dokumente bis Ende der Woche auf seinem Tisch liegen.

Falls nicht, ist er in den Ferien. Es ist ihm dann egal, ob die Hochzeit stattfindet oder nicht. Wenn diese Erzählungen stimmen, dann ist es schlimm. Stell dir mal vor, ein Pfarrer in Zürich gibt einem Paar eine solche Antwort, das heiraten möchte! Das wäre ein gefundenes Fressen für die Zeitung! Dazu werden bestimmt andere Konsequenzen dazu kommen, inklusive einer Protestaktion der Frauen und sonstigen Gruppierungen! In diesem Teil der Welt freuen wir uns sehr auf Hochzeiten, wenn mal eine stattfindet und dort scheint es eine Normalität zu sein, dass man als Seelsorger sich eine solche Antwort leisten kann.

Heute im Evangelium erkennen wir Jesus in seiner Reaktion auf diese Frau kaum wieder. Unser lieber Jesus nennt eine Frau und vergleicht sie mit dem Hund! Jesus hat sich sonst in der Vergangenheit für die Gerechtigkeit und guter Behandlung der Frau eingesetzt. Warum gibt er nun einer bittenden Frau solch eine erniedrigende Antwort und weigert sich sogar nochmal eine Antwort zu geben? Wie viele würden sich so ärgern, dass sie weggehen und Jesus zu verstehen geben, dass er seine Heilung irgendwohin stecken kann. Warum gibt Jesus den Menschen eine solche Antwort und was möchte er uns damit sagen? Interessant ist auch die Rolle der Jünger Jesus. Sie meinten, dass die Frau mit ihrer Bitte nur stört und hinterher schreien würde. Man sieht die Steigerung der Beleidigung, zuerst gab Jesus der Frau keine Antwort, dann wird ihre Anwesenheit als eine Störung vernommen und zuletzt nennt er die kanaanäische Frau einen Hund!

Mit der Antwort „ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Isreal gesandt“, macht Jesus klar, dass er nicht zuständig ist für diese Frau. Bewundernswert sind die Haltung und Beharrlichkeit der Frau. Ihre Schlagfertigkeit ist sehr gut. Sie nimmt wahr, dass die religiöse Situation zwischen einer kanaanäischen Frau und Jesus, einem Juden, nicht einfach ist. Die Heilung ihrer Tochter ist ihr hier wichtiger und offenbar ist sie bereit, Beleidigungen auf sich zu nehmen, solange ihr Kind geheilt wird. Vergessen wir in aller Emotion nicht, worum es geht. Es ging um die Frage, wer zum Tempelkult gehören darf. Gehören denn Ausländer auch dazu? Dürfen sie auch im Tempel beten? Werden ihre Bitten erhört, wenn sie nicht Juden sind?

Der Dialog zwischen Jesus und der Frau gibt eine Antwort auf diese Fragen. Gott hört schließlich die Bitte aller Menschen, auch die von Ausländern, wie der kanaanäischen Frau. Jesus spürt die Sorge der Frau, ihr Vertrauen in Jesus, die Krankheit zu heilen, aber auch ihren tiefen Glauben. Für Jesus war es am Ende nicht wichtig, ob sie zu den Juden gehörte oder nicht. Mit ihrer Haltung verändert sie das ganze System der Religion, aber auch der menschlichen Erwartungen.

Beten wir, dass wir unsere Haltungen und manchmal glaubensverhindernden Forderungen an Menschen ändern. Beten wir wie sie heute, Herr, hab erbarmen mit mir. Hoffen wir, dass er unser zaghaftes Glauben wahrnimmt und uns als Antwort gibt: Frau, dein Glaube ist groß… Amen.


 [BO1]