Pfungen 15. August 2026
Maria Aufnahme in den Himmel, 15. August 2026
Meine Seele preist die Größe des Herren und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter (Lk 1,46ff).
Liebe Mitchristen,
Neuerlich haben wir, drei Priester, einen älteren Mitbruder in Deutschland besucht. Bei diesem Besuch realisierten wir, dass er auch ein Priesterjubiläum hat. Was für ein Zufall! In seiner Freunde sang er auch das Lied von Maria als Magnifikat. Er zitierte Elisabeth und meinte; wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt (Lk1,43). Wir selber freuten uns, dass wir ihn an diesem Tag besuchen durften und er freute sich auf diesen schönen Besuch. Es heißt, wer gut singt, betet zweimal und offenbar singen nur gute Menschen, denn böse Meschen haben keine Lieder!
Der Evangelist Lukas hat uns 4 Lieder geschenkt. Zuerst ist es das Benedictus, den Lobgesang des alten Zacharias, in dem die Geburt des Johannes des Täufers angekündigt wird, Lk 1, 68. Dann folgt das Magnifikat Mariens, welches wir heute im Evangelium hören. Dieses Lied kann als ein prophetisches und Befreiungslied des neuen und erlösten Menschen verstanden werden. Es zeigt eine neue Weltordnung, die ganz dem Willen Gottes entspricht. An dritter Stelle kommt das Glorialied der Engel, die Gott bei der Geburt Christi den Erlöser besingen (LK 2, 13ff). Zuletzt ist das Nunc dimittis des alten Simeon, der sich im Tempel über das Heil im kleinen Jesus freut, (Lk 2, 29-32). In dem sogenannten „Stundengebet“ für Diakone, Priester und Ordensleute wird beim Morgengebet Laudes, das Benedictus des Zacharias, gesungen. Weiter geht es mit dem Magnifikat von Maria beim Abendgebet, der Vesper. Schließlich wird bei den Kompleten kurz vor dem Einschlafen das Nunc dimittis des Simeons gesungen.
Im Magnifikat begegnen wir zwei Frauen, Elisabeth und Maria. Die schwangere Maria eilt von Nazaret ca. 130 Kilometer nach Judäa um ihre Verwandte Elisabeth, die ebenfalls schwanger ist, zu besuchen. Für diese Reise ist man ca. 4 Tage unterwegs, um die 130 Kilometer zu bewältigen. Bei der Begrüßung Elisabeths nennt sie Maria „Mutter meines Herrn». Johannes und Jesus freuen sich auf die Zusammenkunft beider Frauen und hüpften vor Freue im jeweiligen Mutterleib. So entstand das Magnifikat.
Maria lobsingt ihren Gott, der Großes an ihr getan hat. Maria blickt über den Tellerrand hinaus. Wir erfahren eine neue Weltordnung, eine auf den Kopf gestellte Weltordnung. Die Reichen kommen durch Gott machtvolle Taten zu Fall. Hingegen werden die Niedrigen erhöht werden. Auch werden die Hungernden satt werden, während die Reichen leer ausgehen. Es ist eine typisch biblische Bekundung der Gerechtigkeit Gottes, der an der Seite der Armen, Schwachen und Unterdrücken steht.
Mit dem Magnifikat sehen wir auch die Befreiung der Armen und ein Trost für leidende Menschen. Wir, die Maria als Vorbild des Glaubens sehen, dürfen einen marianischen, wachsamen Blick auf die Welt richten, denn Gott zerstreut die im Herzen voll Hochmut sind. Offenbar reicht es nicht, nur das Loblied Gottes zu singen. Wir als marianisch inspirierte Christinnen und Christen sollen nicht in unseren Kämmerlein Gott loben, sondern wir müssen in die Welt hinausgehen und sie anpacken. Marianische Mitchristen haben Mitleid mit den Schwachen und tun nach ihren Möglichkeiten alles, um die Welt in einen lebenswerten Ort zu verwandeln.
Am heutigen Maria Himmelfahrt singen wir mit Maria und sagen: Meine Seele preist die Größe des Herren und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter… Amen.