Pfungen 27. Juli 2025
17. Sonntag im Jahreskreis C, Pfungen 27. Juli2025
Vielleicht finde ich dort nur noch zehn (Gen 18.32)
Liebe Mitchristen,
Das Feilschen kennen wir, wenn wir im Urlaub sind. Besonders in Ländern, wo das Feilschen eine normale Preissetzung ist. Das Feilschen ist eine Kunst und es muss gelernt werden. In westlichen Ländern sind die Menschen gewohnt, dass die Preise der Waren festgelegt sind. In orientalischen Ländern und in Afrika sind die Menschen beleidigt, wenn man einfach kommt und ohne den Preis zu verhandeln, einfach bezahlt. Das Feilschen ist auch eine Art, mit dem Verkäufer und dem Käufer ins Gespräch zu kommen. Dort ist es Hochnäsigkeit, wenn ein Käufer einfach für Ware bezahlt und geht. Diese Mentalität widerspiegelt sich auch in ihrem Alltag und gar im Gebet. Für Christen aus solchen Ländern ist das Verhalten von Abraham nichts Neues. Für die westliche Welt ist es sehr befremdend und manche fragen, kann man mit Gott gar feilschen?
Sodom und Gomorra sind zwei Städte in der Bibel, welche ein Symbol für die Menschen sind, die Gottes Gebote völlig außer Acht gelassen haben, so dass Vernichtung von Gott droht. Manche fragen sogar, was waren die groben Verfehlungen von Sodom und Gomorra, dass Gott sie vernichten will? Ihre Verfehlungen sind folgende a) den Bund mit Gott verlassen, b) fremden Götter gefolgt sein, c) Ausbeutung der Armen, Ehebruch, Lügen, Bosheit, d) soziale Vergewaltigung als Mittel zur Demütigung der Fremden. Auf Grund von all diesen Sünden oder Verfehlungen, beschloss Gott, diese beiden Städte zu zerstören.
Die Rolle von Abraham ist sehr interessant, obwohl er eigentlich ein Freund Gottes ist und somit zu den Gerechten gehört, betet er für die Vergebung aller anderen in Sodom und Gomorra. Manchmal sind wir sozial gesehen und da wir zu einer Gemeinschaft der Menschen gehören, gibt es Verfehlungen und Schuld, die wir persönlich nicht begangen haben, aber darin hinein geboren sind. Ob es sich um Krieg oder Umweltkatastrophen handelt, oder ob es um Verfehlungen geht, welche unsere Vorfahren auf sich geladen haben. Die jüngere Generation versucht Sühne und Versöhnung, aber auch Vergebung zu bieten, damit Familien, Gesellschaft und eine ganze Nation wieder im Frieden mit einander leben können. Die Ermordung und Verfolgung der Juden in Deutschland ist eine solche Verfehlung gegen die Menschlichkeit.
Manchmal gibt es Menschen wie Abraham, die die Brücke zur Versöhnung schlagen. Der mit beiden Parteien verhandelt und feilscht, bis ein gutes Resultat erzielt wird. Von 50 Gerechten handelt er am Ende bis zu 10 Gerechten runter. Es stellt sich auch hier die Frage, darf Gott in seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit die Gerechten mit den Ungerechten gleich behandeln und vernichten? Es zeigt heute deutlich in dieser Perikope, dass jede Art von Gebet bei Gott zulässig ist. Es darf erwartet werden, dass Gott nicht nur von den Menschen Gerechtigkeit verlangt, sondern auch Gott selber soll gerecht handeln. Wenn wir das Evangelium dazu nehmen, ist Gott wie ein guter Freund, den man auch mitten in der Nacht stören darf.
Abraham will nicht die Zerstörung der Menschen, deswegen engagiert er sich und betet für alle Menschen und ihre Rettung. Das Feilschen Abrahams zeigt auch seine Hartnäckigkeit und Ausdauer zum Wohl der Menschheit. Gott ist wie ein Freund, mit dem man reden, feilschen und verhandeln kann. Abraham nimmt an Gott teil und setzt sich für deren Versöhnung und Vergebung ein. Es heißt, dass das Gebet den Betenden verändert und es stärkt das Vertrauen zwischen Gott und den Menschen. Wer zur Verbesserung der Beziehung zwischen Gott und den Menschen beiträgt, nimmt automatisch an dem Geist Gottes teil, der sich für den Menschen interessiert. Als Christen ringen wir um Gerechtigkeit und um die Barmherzigkeit Gottes. Gebet und das Feilschen mit Gott ist aber kein Zwang, lassen wir Gott noch immer den Raum zu handeln, wie er will. Er schenke der Welt immer wieder Menschen wie Abraham, die Brücken der Versöhnung bauen und für die anderen da sind und sich zu ihrem Wohl einsetzen… Amen.