Pfungen 30. August 2026
22. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen 30. August 2026
Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn (Jer 20, 8)
Liebe Mitchristen,
Bei der Priesterweihe wird der Kandidat ermahnt, dass er das Wort Gottes in season and out of season predigen soll. Dieses Versprechen wird einem nach der Priesterweihe bewusst, wenn der Alltag beginnt sich zu zeigen. Da realisiert man, was dieser Spruch bedeutet. Es fragt sich wie es uns gerade geht und wie wir uns fühlen, nachdem wir die Worte der Lesungen und des Evangeliums von heute gehört haben? Vielleicht können manche die ganze Erzählung als Heldentat der vergangenen Zeiten oder als eine Glorifizierung von Leid und Schmerzen abtun.
Zunächst ist es jedoch wichtig zu wissen, warum der Prophet Jeremia in der ersten Lesung eine Seelenwäsche gemacht hat, denn in seinen Worten sehen wir, wie das Innere eines Propheten aussieht. Darin sehen wir eine der sogenannten „Beichte“ des Propheten Jeremias. Zuerst heißt es, dass er schon im Mutterleib berufen ist. Sehr jung wurde er von Gott zum Prophetenamt berufen. In Jeremia 1,6 hören wir, wie er sich mit Händen und Füßen gegen seine Berufung gewehrt hat. Dort heißt es „Ach Herr und Gott, ich kann doch nicht reden, ich bin doch noch zu jung“. Auch hier ließ ihn Gott nicht weiterziehen, sondern versprach ihm Beistand. Dieses Versprechen dauerte aber nicht lange, denn er musste sich bald heftige Kritik von den Reichen und Mächtigen anhören.
Jeremia hat den Zorn seiner Leute auf sich gezogen, weil er den Untergang von Stadt und Tempel angekündigt hat. Dazu soll ein großer Teil des Volkes Israel ins Exil oder Verbannung gehen! Solche Unheil-Botschaften hören die Leute nicht gern und so waren Hohn und Spott das, was er von dem Volk Israel ernten musste. Kein Wunder also, dass sich in solch schweren Momenten sich auch seine Familie von ihm abwendet! Was für ein Kreuz! Der Prophet Jeremia wurde ausgepeitscht, gefoltert und überlebte mehrere Mordversuche! So können wir gut verstehen, warum er heute einen emotionalen Ausbruch gegenüber Gott hat. Wir erleben einen Propheten, der verzweifelt ist, der ein Burnout erlebt hat, aber auch zerrissen ist zwischen seiner weiteren Tätigkeit als Prophet oder Gott an der Seite abzutun, damit er seine Ruhe genießen kann.
Er fühlt sich von Gott fast gefangen als sein Sklave. Seine Enttäuschung gegenüber Gott ist groß, denn er fühlt sich von ihm im Stich gelassen! Zwar griff er Gott scharf an, doch seine Gottesbeziehung ist im Takt und kann solche Krisen momentan aushalten, denn obwohl er an der Last seines Amtes als Prophet zerbricht, kann er sich auch nicht vorstellen, Gott loszusagen. Jeremia hat trotz allem noch Vertrauen auf Gott, denn sein Wort brennt noch wie Feuer in seinem Herzen.
Was nehmen wir heute mit nach Hause? Das Kreuz und Leid zu tragen und Christus nachzufolgen bleibt ein schwieriger Teil der Nachfolge, gestern, heute und morgen. Niemand wünscht sich gerne ein Kreuz zu tragen und dies kann uns auch heute Anfeindungen und Spott bringen. Was ist denn das Schicksal deren, die ihre Stimme erhoben haben und es wagten einige heilige Kühe in der Schweiz zu schlachten? Ein Weihbischof im Bistum Chur und im Kanton Zürich wurde öffentlich auf der Straße angegriffen wegen seiner Äußerung in der Coronazeit. Welchen Anfeindungen und Verfolgung durch die Presse und von Gläubigen muss man aushalten, wenn Propheten nicht nach unseren Vorstellungen tanzen und doch die unbequeme Wahrheit verkünden, auch in unserer Zeit? Sind wir „Gut-Wetter-Christen“ geworden, denen man nur schöne Botschaften verkünden darf?
Dazu lernen wir, dass eine Glaubenskrise ein Bestandteil unseres Glaubens ist und dies kann so heftig sein, dass es die Grundmauern des Glaubens zu zerreißen droht. Beten wir aber, dass wir in solchen Momenten nicht versagen, sondern dass wir einen Funken des Feuers und des Vertrauens Gottes spüren dürfen, aber auch das Gefühl haben, Gott geht schließlich mit uns und lässt und nicht ganz allein… Amen.