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1. Fastensonntag im Jahreskreis A,

Pfungen 22. Februar 2026

      Ersten Fastensonntag im Jahreskreis A, Pfungen 22. Februar 2026

Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott (Gen2, 5).

Liebe Mitchristen,

Das Buch Genesis und die heutige Lesung versucht eine Antwort zu geben auf die Fragen, wie Gott der Allmächtige sein kann, die Welt geschaffen hat und trotzdem ist Tod in die Welt gekommen. Im Katechismus nennt man dies die Entstehung der Erbsünde. Es zeigt wie wir alle einen Urvater und eine Urmutter haben und wir sind mit einander sozial verbunden und dies hat Auswirkung auf uns. Sollte in diesem sozialen Gefüge etwas schiefgehen, so erreicht der Effekt uns alle, die Umwelt ist ein gutes Beispiel heute davon.  

Weiter möchte ich einen Punkt in der heutigen Berichterstattung erwähnen. In Nigeria, und ich nehme an, auch in vielen anderen Ländern der Welt, streben die Jugendlichen nach Reichtum, Macht, Ansehen. Viele wollen besonders in sozialen Medien sein wie manche Schauspieler, manche Millionäre, manche Musiker oder Politiker. An sich ist dies nicht schlecht, wenn sie Vorbilder haben wollen und ihre Lebensperspektive von diesen Personen ermutigt werden.

Was uns manchmal dabei aber stört ist die Tatsache, dass viele zwar an Geld und Ruhm gelangen wollen, jedoch fehlt die Bereitschaft, die nötige Anstrengung zu unternehmen. Sie wollen angesehene Personen sein, aber alles möglichst im Schlaf geschenkt bekommen. Sie wollen angesehene Musiker oder Schauspieler werden, ohne Schweiss und Übung. Sie wollen sehr reich werden, aber ohne Planung, ohne Investition in sich durch Studium, Lehre, oder sonstige nötige Vorbereitung.

So ist es heute in unserer Lesung nicht erstaunlich, dass der Mensch in der Genesiserzählung doch wie Gott sein will. Er ist nicht zufrieden, dass Gott ihm einem reichen Garten geschenkt hat und er darin reiche Früchte geniessen sollte. Nein, er hat Sehnsucht wie Gott zu sein, über sich selbst hinauswachsen und über alles selber bestimmen zu wollen. Das Ergebnis eines solchen Egoismus und unersättliches Verlangen in Menschen, ist der Ursprung vieles Leid in der Welt heute. Wenn du steinreich sein möchtest, bist du sicher, dass du auch schlaflose Nächte wegen solchem Reichtum verbringen willst? Bist du auch breit, die damit verbundenen Kopfschmerzen zu erleben? Auch bist du bereit, den damit verbundenen Neid und Missgunst gegen Reiche zu ertragen?

Ein amerikanischer Wissenschaftler sagte vor Jahren zu den Medien, nachdem er erfolgreich an einer Stammzellen Forschung gearbeitet hat. «Ich möchte jährlich bis zu 500 Menschen klonen. Das ist der erste Schritt, um mit Gott eins zu werden». Damals ging ein Sturm der Entrüstung durch die Welt wegen solcher Äusserung. Christliche Ethiker warnen immer wieder, der Mensch darf nicht alles machen, was er machen könnte!  Der Mensch soll die Grenze der Schöpfung Gottes respektieren! Erinnern wir uns noch an die Geschichte vom Turm zu Babel? Auch dort wollten die Menschen einen Turm bis zu Gott bauen.

Am Anfang von der Fastenzeit ist dies ein Aufruf an uns, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben und geschenkt bekommen. Natürlich sollen wir die von Gott geschenkten Gaben und Talente weiterentwickeln und auf diese Weise sein Ebenbild zum Ausdruck bringen. Das ist etwas anderes als sein wollen wie Gott. Wenn wir aber diesen lebenslangen Reifungsprozess nicht abwarten und zu schnell oder kurz den Weg bestreiten, dann besteht die Gefahr, dass wir in die Früchte der Erkenntnis zu früh rein beissen.

Ich treffe selten Menschen die mit sich und was sie sind und haben zufrieden sind! Unsere Welt ist voller Menschen, die durch Umwege wie Gott sein wollen, wie ein reicher Mann sein wollen, ohne besondere Anstrengung dazu. Oft führt dies zu Neid, Missgunst, Unzufriedenheit und nicht zuletzt sind solche Menschen bereit, über Leichen zu gehen, bis sie das bekommen was sie sich sehr ersehnen. Die Fastenzeit ist daher eine Gelegenheit über unser Streben zu reflektieren. Führen unsere Sehnsüchte und das Streben zu Gottesnähe oder zum Baum der Erkenntnis? Schenken wir Gott wieder das Vertrauen zu ihm und legen wir das Misstrauen und sein wollen wie Gott ab… Amen.


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